4 Folge Vom Wissen zur Verbundenheit , Vom Nebeneinander zum MIteinander
Shownotes
Leitfrage:
Wann wird aus dem Wissen um unsere Verbundenheit tatsächlich gemeinsames Handeln?
Kernsatz:
„Verbundenheit zeigt sich nicht darin, was wir über Gemeinschaft sagen, sondern darin, wie wir miteinander handeln.“
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Vom Wissen zur Verbundenheit
Folge 4: Vom Nebeneinander zum Miteinander
Verbundenheit wird im Handeln sichtbar
Einleitung – Wir leben zusammen. Aber handeln wir auch miteinander?
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unserer Podcast-Reihe:
„Vom Wissen zur Verbundenheit – Wie aus persönlicher Entwicklung gesellschaftliche Verantwortung wird.“
In der letzten Folge haben wir uns mit einem Gedanken beschäftigt, der für diese gesamte Reihe von großer Bedeutung ist:
Die Einheit des Menschen bedeutet nicht Gleichheit.
Menschen müssen nicht gleich denken, gleich fühlen oder dieselben Fähigkeiten besitzen, damit sie miteinander verbunden sein können.
Im Gegenteil.
Vielleicht braucht eine lebendige Gemeinschaft gerade die Verschiedenheit ihrer Mitglieder.
Der eine sieht etwas, was dem anderen verborgen bleibt.
Ein anderer besitzt Fähigkeiten, die mir fehlen.
Und manchmal zwingt uns gerade ein Mensch, der vollkommen anders denkt als wir, dazu, unseren eigenen Standpunkt noch einmal zu überprüfen.
Damit sind wir wieder bei unserem Rundumblick aus Folge 1.
Wenn ich immer nur an derselben Stelle stehen bleibe, sehe ich nur einen Ausschnitt.
Ich kann meinen Standort verändern, eine andere Perspektive kennenlernen und anschließend sogar zu meiner ursprünglichen Position zurückkehren.
Aber ich kehre mit einer Erfahrung zurück, die ich vorher nicht hatte.
Ich habe etwas anderes gesehen.
Nun wollen wir einen Schritt weitergehen.
Denn es genügt nicht, Verschiedenheit nur anzuerkennen.
Irgendwann stellt sich die Frage:
Was machen wir mit unseren Unterschieden?
Leben wir lediglich nebeneinander?
Oder kann daraus ein wirkliches Miteinander entstehen?
Nebeneinander ist noch keine Verbundenheit
Wir Menschen leben ständig nebeneinander.
In einem Mehrfamilienhaus können zwanzig oder dreißig Menschen unter einem Dach wohnen und sich kaum kennen.
In einer Schulklasse verbringen Kinder jahrelang viele Stunden miteinander.
In einem Unternehmen arbeiten Menschen möglicherweise jahrzehntelang im selben Gebäude.
Und trotzdem entsteht daraus nicht automatisch Verbundenheit.
Räumliche Nähe ist noch keine Beziehung.
Und auch gemeinsame Zugehörigkeit reicht nicht aus.
Wir haben das bereits in Folge 2 gesehen:
Eine Gemeinschaft kann auf dem Papier existieren, ohne dass sich ihre Mitglieder wirklich füreinander interessieren.
Vielleicht müssen wir deshalb zwischen drei Dingen unterscheiden – aber nicht als starre Stufen.
Wir können nebeneinander leben, ohne viel voneinander zu wissen.
Wir können beginnen, einander wahrzunehmen.
Und irgendwann können wir tatsächlich miteinander handeln.
Gerade dieser letzte Schritt ist entscheidend.
Denn Verbundenheit zeigt sich nicht nur darin, was wir über andere Menschen denken.
Sie wird sichtbar in dem, was zwischen uns geschieht.
Ein Tisch und eine einfache Aufgabe
Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor.
Sie sitzen gemeinsam an einem Tisch.
Vor ihnen liegt eine Aufgabe.
Vielleicht soll ein Fest organisiert, ein Garten gestaltet oder ein gemeinsames Projekt geplant werden.
Zunächst hat jeder eine Vorstellung davon, wie es gemacht werden sollte.
Einer möchte sofort anfangen.
Ein anderer will erst einen genauen Plan erstellen.
Jemand hat viele Ideen, aber wenig praktische Erfahrung.
Ein anderer sagt kaum etwas, besitzt jedoch genau die handwerklichen Fähigkeiten, die später dringend gebraucht werden.
Nun könnte jeder versuchen, seine eigene Vorstellung durchzusetzen.
Dann entsteht möglicherweise ein Machtkampf.
Wer hat die beste Idee?
Wer setzt sich durch?
Wer gibt nach?
Aber die Gruppe könnte auch eine andere Frage stellen:
Was kann jeder von uns beitragen, damit etwas entsteht, das keiner von uns allein schaffen könnte?
Mit dieser Frage verändert sich etwas.
Unterschiede werden nicht mehr hauptsächlich als Hindernis wahrgenommen.
Sie können zu einer Ressource werden.
Der andere kann etwas, was ich nicht kann
Vielleicht fällt uns genau das manchmal schwer.
Wir vergleichen uns gern.
Wer ist klüger?
Wer kann etwas besser?
Wer bekommt mehr Anerkennung?
Schon in der Schule lernen Kinder häufig, ihre Leistung mit der Leistung anderer zu vergleichen.
Aber Zusammenarbeit stellt eine andere Frage.
Nicht:
„Wer von uns ist besser?“
Sondern:
„Was können wir gemeinsam?“
Das ist ein großer Unterschied.
Denn plötzlich muss ich nicht mehr alles selbst können.
Ich kann anerkennen:
Der andere besitzt eine Fähigkeit, die mir fehlt.
Das macht mich nicht kleiner.
Und seine Stärke muss meine Stärke nicht bedrohen.
Vielleicht liegt darin sogar eine Form von innerer Freiheit.
Ich muss nicht besser sein als der andere, um meinen eigenen Wert zu behalten.
Und ich muss mich auch nicht kleiner machen, damit der andere seinen Platz bekommt.
Beide können etwas beitragen.
Das Ich muss nicht verschwinden
Damit kommen wir zu einem Gedanken zurück, der uns von Beginn dieser Reihe an wichtig war.
Wenn wir vom Wir sprechen, wollen wir das Ich nicht zum Gegner erklären.
Ein Mensch braucht eine eigene Persönlichkeit.
Er braucht Selbstvertrauen und die Fähigkeit, selbstständig zu denken.
Er muss Nein sagen können.
Er muss widersprechen können.
Und manchmal braucht eine Gemeinschaft sogar genau den Menschen, der sagt:
„Ich sehe das anders.“
Denn ein Wir, in dem niemand mehr widersprechen darf, ist keine wirkliche Verbundenheit.
Es wäre Anpassung.
Deshalb bedeutet der Weg vom Ich zum Wir nicht:
Das Ich soll verschwinden.
Vielleicht bedeutet er vielmehr:
Das Ich lernt, sich in Beziehung zu sehen.
Ich habe Fähigkeiten.
Ich habe Bedürfnisse.
Ich habe eine Meinung.
Aber der andere hat sie ebenfalls.
Und nun entsteht eine neue Frage:
Wie können wir miteinander leben und handeln, ohne dass einer von uns aufhören muss, er selbst zu sein?
Zusammenarbeit bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis
Auch hier sollten wir uns vor einem Missverständnis hüten.
Verbundenheit bedeutet nicht, dass es keine Konflikte mehr gibt.
Wo unterschiedliche Menschen zusammenkommen, entstehen unterschiedliche Interessen, Erfahrungen und Vorstellungen.
Konflikte sind deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass Gemeinschaft gescheitert ist.
Vielleicht zeigen sie zunächst nur:
Hier treffen verschiedene Sichtweisen aufeinander.
Die entscheidende Frage ist, was wir daraus machen.
Versuche ich, den anderen zu besiegen?
Ziehe ich mich zurück?
Oder können wir versuchen herauszufinden, was hinter unseren unterschiedlichen Positionen steckt?
Manchmal werden wir einen Kompromiss finden.
Manchmal entsteht tatsächlich eine neue Lösung.
Und manchmal bleiben unsere Positionen verschieden.
Auch das muss möglich sein.
Verbundenheit verlangt nicht immer Einigkeit.
Sie verlangt vielmehr, dass wir den anderen trotz unserer Uneinigkeit weiterhin als Menschen wahrnehmen.
Der Konflikt kann unseren Blick erweitern
Damit bekommt sogar ein Konflikt eine andere Bedeutung.
Er kann unangenehm sein.
Aber er kann uns auch etwas zeigen, das wir vorher nicht gesehen haben.
Stellen wir uns zwei Menschen vor, die eine gemeinsame Aufgabe übernehmen.
Der eine sagt:
„Wir müssen schneller vorankommen.“
Der andere antwortet:
„Wir müssen sorgfältiger arbeiten.“
Zunächst scheint es, als müssten sie sich entscheiden.
Schnelligkeit oder Sorgfalt.
Aber vielleicht vertreten beide etwas Wichtiges.
Der eine sieht die Gefahr, dass die Gruppe sich endlos in Einzelheiten verliert.
Der andere erkennt die Gefahr, dass durch Eile Fehler entstehen.
Wenn beide nur versuchen, sich durchzusetzen, wird aus der Verschiedenheit ein Kampf.
Wenn sie einander zuhören, kann etwas anderes geschehen.
Vielleicht lautet die neue Frage:
Wie können wir zügig arbeiten, ohne die notwendige Sorgfalt zu verlieren?
Plötzlich hat der Widerspruch das Denken erweitert.
Aus zwei gegensätzlichen Positionen entsteht eine neue Möglichkeit.
Zuhören verändert Zusammenarbeit
Damit sind wir wieder bei einer Fähigkeit, die zunächst unscheinbar wirkt:
Zuhören.
Wir denken beim Zuhören häufig, wir müssten einfach schweigen, während der andere spricht.
Aber wirkliches Zuhören verlangt mehr.
Es bedeutet, für einen Augenblick nicht nur auf die nächste eigene Antwort zu warten.
Ich versuche zu verstehen:
Was möchte der andere eigentlich sagen?
Warum ist ihm dieser Gedanke wichtig?
Was sieht er, was ich vielleicht noch nicht gesehen habe?
Damit kehren wir wieder zum Gebäude aus Folge 1 zurück.
Ich verlasse für einen Augenblick meinen Standort.
Nicht um dort für immer zu bleiben.
Sondern um zu sehen, was von der anderen Seite sichtbar wird.
Vielleicht ist Zuhören deshalb eine der praktischsten Formen des Perspektivwechsels.
Zusammenarbeit verändert auch das Ich
Nun geschieht etwas Interessantes.
Wenn Menschen wirklich miteinander arbeiten, verändert sich nicht nur das gemeinsame Ergebnis.
Auch der einzelne Mensch kann sich verändern.
Vielleicht muss ich lernen, meine Idee nicht sofort durchzusetzen.
Vielleicht muss ich deutlicher sprechen, damit andere verstehen, was ich meine.
Oder ich entdecke, dass ich Verantwortung übernehmen kann, die ich mir vorher gar nicht zugetraut habe.
Manchmal muss ich auch erleben, dass meine wunderbare Idee in der Praxis überhaupt nicht funktioniert.
Dann brauche ich Demut.
Ein anderes Mal stelle ich fest:
Ich hatte einen Gedanken, den die Gruppe tatsächlich gebraucht hat.
Dann kann Selbstvertrauen wachsen.
So wird Gemeinschaft zu einem Lernraum.
Nicht nur für Wissen.
Auch für Charakter.
Hier begegnen wir wieder Rudolf Dreikurs
Damit können wir einen Gedanken aus Folge 2 wieder aufnehmen.
Rudolf Dreikurs betonte den sozialen Charakter des Menschen und die Bedeutung von Zugehörigkeit.
Ein Kind möchte nicht nur versorgt werden.
Es möchte seinen Platz finden.
Und irgendwann möchte es auch erleben:
Ich kann etwas beitragen.
Dieser Gedanke ist für mich besonders wichtig.
Denn zwischen Dazugehören und Beitragen besteht ein Unterschied.
Wenn ich nur dazugehören möchte, frage ich vielleicht:
„Ist hier ein Platz für mich?“
Wenn ich beginne, etwas beizutragen, kommt eine weitere Frage hinzu:
„Was kann durch mich für diese Gemeinschaft entstehen?“
Damit beginnt sich die Perspektive zu verändern.
Das Ich verliert dadurch nicht an Bedeutung.
Im Gegenteil.
Seine Fähigkeiten werden gebraucht.
Aber sie bekommen einen Zusammenhang.
Kinder brauchen echte Aufgaben
Vielleicht können wir das gerade bei Kindern besonders gut beobachten.
Ein Kind möchte helfen.
Es möchte den Tisch decken, etwas tragen oder beim Kochen mitmachen.
Natürlich geht es manchmal schneller, wenn der Erwachsene es selbst erledigt.
Vielleicht liegt anschließend auch weniger auf dem Boden.
Aber wenn wir immer sagen:
„Lass das, ich mache das“,
was lernt das Kind dann?
Vielleicht lernt es ungewollt:
Die Erwachsenen können es. Ich störe eher.
Was geschieht dagegen, wenn ein Kind eine wirkliche Aufgabe bekommt?
Nicht eine künstliche Beschäftigung, sondern etwas, das für die Gemeinschaft tatsächlich Bedeutung hat.
Dann kann es erfahren:
Mein Beitrag zählt.
Andere verlassen sich auf mich.
Was ich tue, hat Folgen.
Damit verbindet sich Zugehörigkeit mit Verantwortung.
Und genau an dieser Stelle wird der Gedanke von Dreikurs für unsere Reihe besonders interessant.
Kinder lernen nicht nur aus unseren Erklärungen.
Sie lernen aus Erfahrungen und aus den Folgen ihres Handelns.
Darauf werden wir in einer späteren Podcast-Reihe noch ausführlicher eingehen.
Was für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene
Aber dieser Gedanke endet nicht mit der Kindheit.
Auch Erwachsene möchten erleben, dass ihr Beitrag Bedeutung besitzt.
Stellen wir uns einen Arbeitsplatz vor, an dem ein Mensch zwar täglich seine Aufgaben erledigt, aber nie gefragt wird, was er denkt.
Seine Erfahrung wird nicht gebraucht.
Seine Ideen interessieren niemanden.
Er funktioniert.
Aber trägt er wirklich bei?
Nun stellen wir uns eine andere Situation vor.
Jemand sagt:
„Du kennst diesen Bereich gut. Wie siehst du das?“
Mit einer einzigen Frage verändert sich möglicherweise etwas.
Der Mensch wird nicht nur als Arbeitskraft wahrgenommen.
Seine Erfahrung bekommt Bedeutung.
Das heißt natürlich nicht, dass jede Idee umgesetzt werden muss.
Aber ein Mensch kann erleben:
Meine Sicht wird gehört.
Vielleicht ist auch das eine Form von Verbundenheit.
Vom eigenen Beitrag zur gemeinsamen Verantwortung
Und nun kommen wir an einen entscheidenden Punkt.
Wenn ich erkenne, dass mein Beitrag Auswirkungen auf andere hat, verändert sich auch mein Verständnis von Verantwortung.
Dann lautet die Frage nicht mehr ausschließlich:
„Was möchte ich?“
Sie wird ergänzt durch:
„Was bewirkt mein Handeln für das Ganze?“
Wir kennen diesen Gedanken bereits aus Folge 2.
Mein Handeln endet nicht bei mir.
Wenn ich eine Aufgabe nicht erledige, muss sie möglicherweise ein anderer übernehmen.
Wenn ich Verantwortung übernehme, kann ich dagegen etwas beitragen, das mehreren Menschen zugutekommt.
Damit beginnt gesellschaftliche Verantwortung nicht erst bei großen politischen Entscheidungen.
Sie beginnt möglicherweise sehr viel früher.
In einer Familie.
In einer Schulklasse.
Am Arbeitsplatz.
In einer Nachbarschaft.
Überall dort, wo ein Mensch erkennt:
Was ich tue, hat Bedeutung über mich selbst hinaus.
Muss ich mich deshalb immer zurücknehmen?
Nein.
Auch das wäre ein Missverständnis.
Verbundenheit bedeutet nicht, die eigenen Bedürfnisse grundsätzlich hintenanzustellen.
Wer immer nur gibt und niemals eigene Grenzen wahrnimmt, wird irgendwann möglicherweise erschöpft oder verbittert.
Ein gesundes Wir braucht Menschen, die auch sagen können:
„Das kann ich.“
Aber ebenso:
„Das kann ich nicht.“
Oder:
„Bis hierhin und nicht weiter.“
Grenzen können Beziehungen sogar schützen.
Denn echte Zusammenarbeit braucht keine Selbstaufgabe.
Sie braucht Menschen, die ihre eigenen Möglichkeiten kennen und gleichzeitig die Möglichkeiten anderer achten.
Das Ich bleibt bestehen.
Aber es betrachtet sich nicht mehr als alleinigen Mittelpunkt.
Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied
Ein isoliertes Ich fragt vor allem:
Was bekomme ich?
Ein verbundenes Ich kann zusätzlich fragen:
Was kann ich beitragen?
Aber selbst das ist noch nicht alles.
Denn vielleicht entsteht irgendwann eine dritte Frage:
Was können wir gemeinsam hervorbringen, das keiner von uns allein schaffen könnte?
Hier beginnt für mich echtes Miteinander.
Nicht weil alle gleich geworden sind.
Nicht weil jeder dieselbe Meinung besitzt.
Und auch nicht, weil persönliche Interessen plötzlich verschwunden wären.
Sondern weil unterschiedliche Menschen entdecken:
Unsere Verschiedenheit muss uns nicht trennen. Sie kann etwas Gemeinsames möglich machen.
Vom Nebeneinander zum Miteinander
Vielleicht können wir damit den Weg dieser Folge zusammenfassen.
Menschen können nebeneinander leben, ohne wirklich miteinander verbunden zu sein.
Verbundenheit beginnt dort, wo wir einander wahrnehmen.
Sie vertieft sich, wenn wir bereit sind, die Perspektive des anderen kennenzulernen.
Und sie wird praktisch, wenn aus Wahrnehmung und Beziehung gemeinsames Handeln entsteht.
Dann bekommt der andere eine neue Bedeutung.
Er ist nicht nur jemand, der neben mir lebt.
Er ist auch nicht nur jemand, mit dem ich mich vergleichen muss.
Er kann ein Mensch sein, mit dem gemeinsam etwas entstehen kann.
Vielleicht liegt darin ein grundlegender Wechsel unserer Sichtweise:
vom Vergleich zum Beitrag,
vom Durchsetzen zum Zusammenwirken,
und vom bloßen Nebeneinander zum Miteinander.
Ein Gedanke für den Alltag
Vielleicht können wir auch diese Folge mit einer kleinen Beobachtung verbinden.
Denken Sie in den nächsten Tagen einmal an eine Gemeinschaft, zu der Sie gehören.
Das kann Ihre Familie sein, ein Freundeskreis, eine Arbeitsgruppe, ein Verein oder eine andere Gemeinschaft.
Und fragen Sie sich einmal:
Welche Fähigkeit bringe ich in diese Gemeinschaft ein?
Aber bleiben Sie nicht bei dieser Frage stehen.
Schauen Sie auch auf einen Menschen, der ganz anders ist als Sie.
Vielleicht sogar auf jemanden, dessen Art Sie manchmal anstrengend finden.
Und fragen Sie:
Was bringt dieser Mensch ein, das ich selbst vielleicht nicht einbringen könnte?
Möglicherweise verändert sich dadurch der Blick.
Nicht jeder Unterschied wird plötzlich angenehm.
Und nicht jeder Konflikt verschwindet.
Aber vielleicht erkennen wir etwas:
Wir müssen nicht gleich sein, um einander zu brauchen.
Ausblick – Was hält ein Wir zusammen?
Damit haben wir einen weiteren Schritt gemacht.
Wir sind vom Ich zum Wir gegangen, ohne das Ich aufzugeben.
Wir haben gesehen, dass Verbundenheit mehr ist als Gemeinschaftsgefühl.
Wir haben erkannt, dass Einheit Verschiedenheit nicht ausschließt.
Und heute haben wir gefragt, wie aus Verschiedenheit gemeinsames Handeln entstehen kann.
Doch nun taucht eine neue Frage auf.
Denn Zusammenarbeit funktioniert relativ leicht, solange unsere Interessen übereinstimmen.
Schwieriger wird es, wenn sie auseinandergehen.
Was geschieht, wenn mein persönlicher Vorteil und das Wohl der Gemeinschaft nicht dasselbe sind?
Was geschieht, wenn Verantwortung etwas von mir verlangt?
Und woran orientieren wir uns, wenn wir entscheiden müssen, was dem gemeinsamen Leben dient?
Damit kommen wir in der nächsten Folge zu einer entscheidenden Frage:
Folge 5: Verantwortung – Wo endet meine Freiheit?
Denn vielleicht zeigt sich Verbundenheit gerade dort am deutlichsten, wo ich erkenne, dass meine Freiheit und mein Handeln immer auch das Leben anderer berühren.
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