Wir erziehen für gester und erwarten, dass unsere Kinder morgen bestehen
Shownotes
**Wir erziehen für eine Zukunft, die wir noch nicht kennen, oft mit den Methoden von gestern.
Dieser Podcast fragt, warum ein „Weiter so“ nicht genügt und weshalb Schule und Erziehung heute neu gedacht werden müssen.**
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Wir erziehen für gestern – und erwarten, dass unsere Kinder morgen bestehen
Ein Podcast über Erziehung, Schule und die Entscheidung, die wir heute treffen müssen
Wir sprechen ständig über die Zukunft. Über künstliche Intelligenz, Digitalisierung, gesellschaftliche Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Klimaveränderungen und eine Arbeitswelt, die sich in einem Tempo verändert, das viele Menschen kaum noch überblicken können.
Fast überall hören wir denselben Satz: Die Welt wird komplizierter.
Doch während sich diese Welt verändert, halten wir in Erziehung und Schule erstaunlich oft an Vorstellungen fest, die aus einer anderen Zeit stammen.
Darin liegt ein Widerspruch, über den wir viel ernster nachdenken sollten.
Wir erwarten von jungen Menschen, dass sie später Probleme lösen, die wir heute teilweise noch gar nicht kennen. Gleichzeitig bereiten wir sie auf diese Zukunft mit Methoden und Strukturen vor, die vielfach aus der Vergangenheit übernommen wurden.
Deshalb sollten wir uns eine unbequeme Frage stellen:
Erziehen wir unsere Kinder wirklich für ihre Zukunft – oder immer noch für unsere Vergangenheit?
Diese Frage richtet sich nicht gegen Eltern und auch nicht gegen Lehrerinnen und Lehrer. Sie richtet sich an uns alle.
Denn inzwischen werden die Folgen sichtbar.
Und an dieser Stelle lohnt es sich, nicht nur über persönliche Eindrücke zu sprechen, sondern auf die aktuellen Zahlen zu schauen.
Die PISA-Ergebnisse 2025 geben Anlass zur Sorge. Für Deutschland stellt die OECD fest, dass die Ergebnisse in Mathematik und Lesekompetenz gegenüber 2022 erneut gesunken sind. In den Naturwissenschaften blieben sie ungefähr auf dem Niveau von 2022. Betrachtet man allerdings einen längeren Zeitraum, sind die Ergebnisse von 2025 in allen drei Bereichen die niedrigsten, die für Deutschland bisher im Rahmen von PISA gemessen wurden.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Vergleich mit dem Jahr 2015.
Seitdem ist in Deutschland der Anteil der Jugendlichen, deren Leistungen unter der von PISA definierten Kompetenzstufe 2 liegen, in Mathematik um 17 Prozentpunkte gestiegen. Beim Lesen beträgt die Zunahme 15 Prozentpunkte, in den Naturwissenschaften 10 Prozentpunkte.
Solche Zahlen sollte man nicht dramatisieren.
Aber man sollte sie auch nicht kleinreden.
Denn hinter jeder Prozentzahl stehen junge Menschen.
Und wenn der Anteil derjenigen wächst, die grundlegende Kompetenzen nicht sicher beherrschen, betrifft das nicht nur Schule. Es betrifft später Ausbildung, Beruf, gesellschaftliche Teilhabe und letztlich die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre zukünftigen Aufgaben zu bewältigen.
Dabei wäre es falsch, nun sofort einen einzelnen Schuldigen zu suchen.
Auch die OECD weist darauf hin, dass wir es mit einer Entwicklung zu tun haben, die weit über Deutschland hinausreicht. Im OECD-Raum sind die Leistungen in Mathematik und insbesondere beim Lesen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Zwischen 2015 und 2025 sank der OECD-Durchschnitt beim Lesen um 28 Punkte und in Mathematik um 22 Punkte. Die Entwicklung begann in vielen Ländern schon vor der Corona-Pandemie und lässt sich deshalb nicht auf eine einzige Ursache reduzieren.
Genau das macht die Sache eigentlich noch ernster.
Denn wenn ein Problem nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen ist, genügt auch keine einzelne Reparaturmaßnahme.
Dann müssen wir tiefer fragen.
Vielleicht sehen wir in diesen Ergebnissen nicht nur ein Problem der Schule.
Vielleicht sehen wir das Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der Erziehung, Familie, Schule, Medien, soziale Bedingungen und unsere Vorstellung vom Lernen ineinandergreifen.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr:
Wer hat versagt?
Sondern:
Welche Bedingungen haben wir geschaffen, unter denen junge Menschen heute aufwachsen und lernen?
Denn Schule findet nicht im luftleeren Raum statt.
Sie ist Teil einer Gesellschaft, die sich ebenfalls verändert.
Wir erleben zunehmend, wie schwer es Menschen fällt, miteinander im Gespräch zu bleiben, sobald unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen. Diskussionen werden schneller aggressiv, Standpunkte verhärten sich und manchmal wird aus einem Gespräch ein Kampf darum, wer recht hat.
Gleichzeitig wächst die Verunsicherung.
Berufe verändern sich. Tätigkeiten verschwinden, andere entstehen. Technische Entwicklungen stellen innerhalb weniger Jahre Gewissheiten infrage, die vorher über Jahrzehnte Bestand hatten.
Mit künstlicher Intelligenz erleben wir gerade einen weiteren tiefgreifenden Wandel.
Informationen, die früher mühsam gesucht werden mussten, stehen heute in wenigen Sekunden zur Verfügung.
Und trotzdem reagieren wir auf Schwierigkeiten im Bildungsbereich häufig mit vertrauten Mitteln.
Wenn Leistungen sinken, wird über mehr Unterrichtsstoff gesprochen.
Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, folgt häufig die Forderung nach mehr Übung.
Wenn Unsicherheit entsteht, verstärken wir Kontrolle.
Das alles kann im Einzelnen sinnvoll sein.
Aber es beantwortet noch nicht die grundlegende Frage.
Denn natürlich brauchen Kinder Wissen. Lesen, Schreiben und Rechnen sind unverzichtbar. Gerade die PISA-Ergebnisse zeigen, wie gefährlich es wäre, diese Grundlagen geringzuschätzen.
Doch Wissen allein genügt nicht mehr.
Die entscheidende Frage lautet zunehmend:
Was kann ein Mensch mit seinem Wissen anfangen?
Kann er Informationen prüfen und Zusammenhänge erkennen?
Kann er unterscheiden, ob etwas lediglich behauptet oder tatsächlich belegt wird?
Ist er bereit, seine eigene Meinung zu überprüfen, wenn neue Erkenntnisse auftauchen?
Kann er mit Unsicherheit umgehen, ohne sofort nach einer scheinbar einfachen Antwort zu greifen?
Und vor allem: Kann er mit Menschen zusammenarbeiten, die anders denken als er selbst?
Solche Fähigkeiten sind keine hübsche Zugabe zur eigentlichen Bildung.
Sie werden zu einer Voraussetzung dafür, dass wir die Probleme der Zukunft überhaupt gemeinsam lösen können.
Damit kommen wir zur Erziehung.
Sie beginnt lange bevor ein Kind zum ersten Mal ein Schulgebäude betritt.
Ein Kind beobachtet seine Umgebung sehr genau. Es nimmt wahr, wie Erwachsene miteinander sprechen, wie sie Konflikte lösen und welchen Umgang sie mit Fehlern pflegen.
Kinder hören nicht nur unsere Worte.
Sie erleben unsere Haltung.
Wenn wir Respekt verlangen, gleichzeitig aber andere Menschen abwerten, erleben Kinder diesen Widerspruch.
Wenn wir Selbstständigkeit fordern, aber jede Entscheidung kontrollieren, senden wir ebenfalls zwei unterschiedliche Botschaften.
Und wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen sollen, Erwachsene bei Problemen jedoch hauptsächlich nach Schuldigen suchen, dann lernen Kinder auch daraus.
Eltern sind deshalb die ersten Lehrer eines Kindes, ohne dass sie Unterricht geben müssen.
Erziehung geschieht im Alltag.
Sie entsteht in Beziehungen, in Reaktionen, in Gesprächen und vor allem durch das Vorbild.
Dann kommt die Schule.
Ein kleines Kind bringt zunächst eine erstaunliche Neugier mit. Es fragt, probiert etwas aus, scheitert, beginnt erneut und verändert seinen Versuch.
Eigentlich besitzt es damit schon viele Eigenschaften, die wir später bei Forschern, Erfindern und kreativen Menschen bewundern.
Neugier ist keine Nebensache des Lernens.
Sie ist einer seiner stärksten Motoren.
Deshalb sollten wir uns fragen, ob es unserem Bildungssystem genügend gelingt, diese Neugier über viele Schuljahre hinweg zu erhalten.
Natürlich gibt es unzählige Lehrerinnen und Lehrer, die genau das versuchen. Menschen, die Kinder begeistern, ungewöhnliche Gedanken zulassen und jungen Menschen Mut machen.
Viele arbeiten dabei unter Bedingungen, die ihnen ihre Aufgabe eher erschweren als erleichtern.
Deshalb führt es in die falsche Richtung, wenn wir die Krise unseres Bildungssystems einfach den Lehrkräften zuschreiben.
Wir müssen uns vielmehr mit den Strukturen beschäftigen.
Schule ist noch immer stark nach Fächern, Jahrgängen, Zeiteinheiten, Lehrplänen, Prüfungen und Bewertungen organisiert.
Das alles hat Gründe und ist nicht grundsätzlich falsch.
Aber die Wirklichkeit, auf die wir junge Menschen vorbereiten, ist längst nicht mehr so sauber sortiert.
Eine ökologische Herausforderung gehört nicht nur zur Biologie.
Gesellschaftliche Konflikte sind nicht ausschließlich Angelegenheit des Politikunterrichts.
Künstliche Intelligenz ist nicht lediglich ein Thema der Informatik.
Und die Frage, wie Menschen miteinander leben wollen, lässt sich überhaupt keinem einzelnen Schulfach zuordnen.
Das Leben verbindet ständig Dinge miteinander, die wir in der Schule trennen.
Vielleicht müsste Bildung deshalb stärker lernen, Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Denn die zukünftigen Herausforderungen werden uns nicht nach Stundenplan begegnen.
Wir werden Menschen benötigen, die unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden können.
Menschen, die Widersprüche aushalten, ohne sofort in Schwarz und Weiß zu denken.
Menschen, die Wissen besitzen, aber zugleich verstanden haben, dass Wissen allein noch keine verantwortliche Entscheidung hervorbringt.
Dazu braucht es Urteilsvermögen.
Es braucht Charakter.
Und es braucht die Fähigkeit, nicht nur die eigenen Interessen zu sehen, sondern die Folgen des eigenen Handelns für andere Menschen mitzudenken.
Damit wird Schule zu etwas Größerem als einer Vorbereitung auf Beruf und Studium.
Sie ist immer auch Vorbereitung auf das Leben in einer Gesellschaft.
Und genau hier wird das sogenannte „Weiter so“ problematisch.
Nach fast jeder großen Bildungsstudie erleben wir einen ähnlichen Ablauf. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, Experten diskutieren darüber, politische Maßnahmen werden angekündigt und einige Zeit später verschwindet das Thema wieder aus der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Bis zur nächsten Studie.
Für Kinder läuft währenddessen die Zeit weiter.
Ein Kind ist nur einmal sechs Jahre alt.
Nur einmal zehn.
Nur einmal fünfzehn.
Eine Gesellschaft kann zehn oder zwanzig Jahre über Reformen diskutieren.
Eine Kindheit kann nicht warten.
Deshalb reicht es möglicherweise nicht mehr, bestehende Strukturen immer wieder ein wenig zu korrigieren.
Wir müssen grundsätzlicher fragen, was Bildung eigentlich bewirken soll.
Geht es hauptsächlich darum, dass ein junger Mensch Prüfungen besteht und sich möglichst reibungslos in vorhandene Strukturen einfügt?
Oder wollen wir Menschen heranbilden, die selbstständig denken, Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit anderen Neues entwickeln können?
Durch künstliche Intelligenz wird diese Frage noch dringlicher.
Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind, verändert sich auch unser Verhältnis zum Wissen.
Das bedeutet keineswegs, dass Wissen weniger wichtig wird.
Im Gegenteil.
Nur wer über eigenes Wissen verfügt, kann überhaupt einschätzen, ob eine Information glaubwürdig ist.
Aber neben das Wissen tritt etwas Zweites:
die Fähigkeit, damit verantwortlich umzugehen.
Welche Quelle verdient Vertrauen?
Wo endet Wissen und wo beginnt Vermutung?
Ist eine Behauptung überzeugend formuliert oder tatsächlich bewiesen?
Welche Folgen könnte eine Entscheidung haben?
Und kann ich offen sagen:
Ich weiß es nicht. Aber ich bin bereit, es herauszufinden.
Vielleicht wird diese Haltung wichtiger werden als das bloße Vortäuschen von Sicherheit.
Und damit kommen wir zu dem Bild, das für mich im Mittelpunkt dieses Podcasts steht.
Wir stehen an einer Kreuzung.
Hinter uns liegt ein langer Weg.
Auf ihm finden wir große Leistungen unserer Gesellschaft und unseres Bildungssystems. Niemand sollte so tun, als wäre alles, was bisher geschehen ist, falsch gewesen.
Aber auf diesem Weg liegen auch Erfahrungen, die uns zeigen, was nicht mehr genügt.
Vergangenheit ist wichtig, weil wir aus ihr lernen können.
Sie darf nur nicht zu dem Ort werden, an dem wir stehen bleiben.
Von dieser Kreuzung aus führen verschiedene Wege weiter.
Wir können weiterhin versuchen, die Probleme der Zukunft hauptsächlich mit den Mechanismen der Vergangenheit zu lösen. Wir verändern hier einen Lehrplan, dort eine Unterrichtsstunde und an anderer Stelle ein Prüfungsverfahren.
Manches davon wird notwendig und hilfreich sein.
Aber vielleicht reicht es nicht.
Der andere Weg verlangt mehr Mut.
Er fordert nicht, alles Alte abzuschaffen.
Er verlangt lediglich, dass wir nichts allein deshalb für richtig halten, weil wir es seit Jahrzehnten so gemacht haben.
Dann können wir neu fragen:
Wie sieht eine Schule aus, die die natürliche Neugier eines Kindes nicht allmählich abschleift, sondern weiterentwickelt?
Wie kann Lernen dazu führen, dass junge Menschen nicht nur Antworten kennen, sondern lernen, gute Fragen zu stellen?
Wie kann Erziehung dazu beitragen, dass aus äußerer Kontrolle langsam innere Verantwortung entsteht?
Und wie schaffen wir Bildungsräume, in denen ein junger Mensch nicht vor allem erfährt, was ihm fehlt, sondern auch entdeckt, welche Fähigkeiten bereits in ihm liegen?
Eine solche Veränderung kann allerdings nicht allein von der Schule ausgehen.
Eltern können ihre Verantwortung nicht vollständig an Lehrer übertragen.
Lehrkräfte können gesellschaftliche Probleme nicht im Klassenzimmer lösen.
Und Politik kann zwar Gesetze beschließen und Rahmenbedingungen verändern, aber sie kann keine Beziehung verordnen.
Veränderung gelingt nur, wenn Verantwortung nicht ständig weitergereicht wird.
Sonst entsteht ein vertrauter Kreislauf.
Die Eltern warten auf die Schule, die Schule wartet auf bessere politische Bedingungen, die Politik verweist auf gesellschaftliche Entwicklungen – und schließlich warten alle.
Während die Kinder älter werden.
Deshalb beginnt Veränderung nicht erst in Ministerien.
Sie beginnt auch dort, wo Erwachsene täglich mit jungen Menschen umgehen.
Sie zeigt sich darin, ob wir Fragen zulassen, Fehler als Teil des Lernens verstehen und einem Kind zutrauen, eigene Lösungen zu finden.
Gesellschaftliche Veränderung beginnt im Klassenzimmer genauso wie am Küchentisch.
Und vielleicht sollten wir deshalb die Suche nach Schuldigen zunehmend durch eine andere Frage ersetzen:
Was können wir jetzt verändern?
Dieses Wort „jetzt“ ist entscheidend.
Denn Zukunft entsteht nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren.
Sie entsteht durch Entscheidungen, die wir heute treffen.
Durch die Art, wie wir Kinder begleiten.
Durch unsere Vorstellung von Schule.
Und durch die Werte, die wir tatsächlich leben.
Wir können einem jungen Menschen beibringen, sich möglichst gut anzupassen.
Oder wir helfen ihm, selbstständig zu denken.
Wir können ihm vermitteln, dass Fehler unbedingt vermieden werden müssen.
Oder wir zeigen ihm, wie man aus Fehlern lernt.
Wir können ihn ständig mit anderen vergleichen.
Oder wir helfen ihm herauszufinden, welche Fähigkeiten in ihm liegen und wie er sie für andere einsetzen kann.
Wir stehen tatsächlich an einer Kreuzung.
Dabei ist die entscheidende Frage nicht, ob unsere Gesellschaft sich verändern wird.
Das wird sie.
Die Frage ist, ob wir diese Veränderung bewusst mitgestalten oder hauptsächlich versuchen, das Gewohnte möglichst lange festzuhalten.
Niemand besitzt eine fertige Landkarte für die Zukunft.
Wir wissen nicht, welche Berufe in zwanzig Jahren existieren werden. Wir kennen nicht alle technischen Entwicklungen, die unser Leben verändern werden, und viele Probleme der kommenden Jahrzehnte können wir heute noch nicht einmal benennen.
Deshalb können wir Kinder unmöglich auf jede Situation vorbereiten, die ihnen begegnen wird.
Aber wir können etwas viel Grundsätzlicheres tun.
Wir können ihnen helfen, neugierig zu bleiben, selbstständig zu denken, Verantwortung zu übernehmen, anderen Menschen zuzuhören und sich zuzutrauen, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.
Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Aufgaben von Erziehung und Bildung im 21. Jahrhundert.
Nicht die Zukunft vorherzusagen.
Sondern junge Menschen so zu stärken, dass sie auch mit einer Zukunft umgehen können, die wir Erwachsenen noch nicht kennen.
Und deshalb richtet sich die letzte Frage dieses Podcasts nicht zuerst an unsere Kinder.
Sie richtet sich an uns.
Sind wir selbst bereit, uns weiterzuentwickeln?
Sind wir bereit, unsere Vorstellungen von Erziehung und Schule zu überprüfen und etwas zu verändern, obwohl es jahrzehntelang selbstverständlich erschien?
Können wir die Erfahrungen der Vergangenheit nutzen, ohne sie zum alleinigen Maßstab für die Zukunft zu machen?
Wir stehen an einer Kreuzung.
Wir können unsere Energie weiterhin überwiegend darauf verwenden, die Probleme von gestern zu verwalten.
Oder wir lernen aus der Vergangenheit, handeln im Heute und richten unseren Blick gleichzeitig nach vorn.
Nicht alles, was bisher funktioniert hat, war deshalb falsch.
Aber nicht alles, was gestern richtig war, wird für morgen genügen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft der aktuellen PISA-Ergebnisse.
Sie sind keine endgültige Antwort.
Aber sie sind ein deutliches Signal.
Ein Signal dafür, dass wir nicht einfach darauf vertrauen sollten, dass ein „Weiter so“ irgendwann wieder zu besseren Ergebnissen führt.
Die Zukunft verlangt von uns keine vollständige Kenntnis dessen, was kommen wird.
Sie verlangt etwas Schwierigeres:
den Mut, heute neu zu denken – und danach auch zu handeln.
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