PISA - Studie 2025
Shownotes
Warum verändern wir so wenig, obwohl wir es issen?
Was Pisa untersucht
Die Lage in Deutschland
Der labgfristige Rückgabg
Von Neugier zur Pflichterfüllung
Die soziale Herkunft - Deutschlands alte offene Wunde
Schule braucht Beziehung
Die Rolle der Lehrkräfte
Was können wir konkret verändern
Vom Wissen zum Handeln
Das Ergebnis wird sichtbar durch das Handeln
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00:00:00: Herzlich Willkommen zu meinem Podcast.
00:00:03: Das heutige Thema ist Deutschland weiß genug, warum handelt es nicht?
00:00:08: Die PISA-Studie zwanzig fünfundzwanzig die jetzt ganz neu ausgekommen ist ein kritischer Bericht über unser deutsches Schulsystem und über diesen PISA Schock.
00:00:21: Heute im achten September zwanzich sechsundzwzig wurde die neuen Ergebnisse der internationalen PISA Studie veröffentlicht und wiederfallen die Nachrichten aus Deutschland ernüchternd aus.
00:00:36: Die Leistungen der Fünfzehnjährigen befinden sich in Mathematik, Lesen- und Naturwissenschaften auf einem Niveau das im langfristigem Vergleich ein Tiefstand markiert.
00:00:49: man könnte nun erneut von einem Pisa Schock sprechen doch das Wort passt eigentlich nicht mehr.
00:00:57: Ein Schock trifft nur Unerwartetes zu.
00:01:02: Die Probleme des deutschen Bildungssystems dagegen sind seit Jahren bekannt.
00:01:08: Wir kennen den engen Zusammenhang zwischen soziale Herkunft und Bildungserfolg.
00:01:14: Sprachliche Defizite werden häufig zu spät erkannt.
00:01:18: Schulen in schwierigen sozialen Lagen brauchen mehr Unterstützung Lehrkräfte mehr Zeit für einzelne Kinder.
00:01:26: Ebenso wissen wir längst welche Bedeutung, frühe Förderung, Lesekompetenz für nachlässigte Beziehungen und ein guter Unterricht haben.
00:01:38: Auch der Blick ins Ausland ist nicht neu.
00:01:41: Andere Staaten zeigen seit Jahren das Schule anders organisiert werden kann.
00:01:47: Deshalb stellt sich, zwanzig sechsundzwanzig eine andere Frage als noch beim ersten Pisa-Shock im Jahre zwei tausendundeins.
00:01:56: Damals lautete sie Was läuft falsch?
00:02:00: Heute muss sie lauten, warum verändern wir so wenig obwohl wir so viel wissen.
00:02:07: Denn Wissen allein verändert keine Schule.
00:02:10: Reformpapiere verändern Sie ebenso wenig.
00:02:14: Neue Programme können sinnvoll sein Bildungsblime können verbessert werden Konferenzen können wichtige Erkenntnisse hervorbringen Am Ende jedoch zählt etwas anderes Was erreicht tatsächlich das Kind?
00:02:31: Hier schließt sich ein Gedanke an, der viele meiner Podcast begleitet.
00:02:36: Das Ergebnis wird sichtbar durchs Handeln – genau daran muss ich auch unsere Bildungspolitik messen lassen!
00:02:45: Pisa bildet nicht die gesamte Persönlichkeit eines jungen Menschen ab.
00:02:51: Die Studie sagt wenig darüber aus wie mitfühlend jemand ist, wie kreativ erdenkt ob er Verantwortung für andere übernimmt oder welche künstlerische Begabung in ihm liegen.
00:03:05: Die gute Schule kann deshalb niemals ausschließlich an PISA-Punkten gemessen werden, trotzdem untersucht Pisa etwas sehr Wesentliches.
00:03:16: Junge Menschen sollen zeigen, ob sie wissen, in neuen Situationen nützen können.
00:03:23: Sie müssen Texte verstehen, Informationen einordnen, mathematische Probleme bearbeiten und naturwissenschaftliche Zusammenhänge erfassen.
00:03:34: Es geht also nicht nur um gespeichertes Wissen – im Kern steckt eine andere Frage dahinter.
00:03:41: Was kann ein junger Mensch mit dem anfangen was er gelernt hat?
00:03:46: Und gerade deshalb ist PISA für unser Thema interessant!
00:03:51: Denn hier wird Wissen erst durch Anwendung sichtbar.
00:03:55: Deutschland bewegt sich, in den drei untersuchten Bereichen nur noch ungefähr im OECD-Biddelfeld.
00:04:06: Auf dem ersten Blick könnte man das verharmlosen.
00:04:10: Man könnte sagen andere Länder haben ebenfalls verloren.
00:04:15: Deutschland liegt doch nicht ganz hinten aber dieser Blick führt in die falsche Richtung.
00:04:21: Die entscheidende Frage lautet nicht, ob andere ebenfalls schwächer geworden sind.
00:04:27: Entscheidend ist wie sich Deutschland selbst entwickelt hat und diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge!
00:04:34: Die aktuellen Ergebnisse markieren in allen drei Bereichen langfristige Tiefstände.
00:04:41: Besonders problematisch ist der wachsene Anteil Jugendlicher die grundlegenden Kompetentniveaus nicht erreichen.
00:04:49: In Mathematik betrifft das inzwischen ungefähr ein Drittel der Fünfzehnjährigen.
00:04:55: Beim Lesen sieht es kaum anders aus, auch in den Naturwissenschaften ist der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler deutlich gewachsen.
00:05:06: für sprechen dabei nicht von hoch komplizierten wissenschaftlichen Aufgaben.
00:05:11: Es geht um Fähigkeiten die im Alltag dringend gebraucht werden Ein Text verstehen, Informationen miteinander verbinden.
00:05:21: Eine Rechnung auf eine konkrete Situation übertragen.
00:05:26: Daten beurteilen Zusammenhänge erkennen.
00:05:29: Wenn ein erheblicher Teil einer Generation genau dabei Schwierigkeiten hat geht es längst nicht mehr nur um Schule.
00:05:39: dann betrifft es Ausbildung Arbeitswelt Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe.
00:05:47: Besonders aufschlussreich ist der Blick über mehrere Jahre, Mitte der zwanzig zehner Jahre hat sich der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher deutlich erhöht.
00:05:59: Deshalb wäre es falsch die Entwicklung ausschließlich mit der Corona-Pandemie zu erklären.
00:06:06: Natürlich hat Corona Spuren hinterlassen.
00:06:11: Unterricht fiel aus, soziale Kontakte ging verloren.
00:06:14: Lernrückstände entstanden.
00:06:17: Doch der Abwärtstrend begann bereits vorher.
00:06:21: Das bedeutet wir haben es nicht allein mit einer vorübergehenden Krise zu tun.
00:06:28: Es geht um strukturelle Probleme und genau hier sollten wir genau hinschauen.
00:06:34: Sind unsere Kinder weniger leistungsfähig geworden?
00:06:38: Diese Frage wird schnell gestellt.
00:06:40: Ich halte sie jedoch für sehr gefährlich, denn sie verschiebt die Verantwortung.
00:06:48: Kinder kommen nicht mit schlechten Fähigkeiten auf die Welt als frühere Generationen.
00:06:53: Sie bringen weiterhin Neugier, Lernbereitschaft und den Wunsch mit ihre Umwelt zu verstehen.
00:07:00: Interessant ist deshalb ein anderer Befund der neuen PISA-Erhebung.
00:07:06: Ein großer Teil der deutschen Jugendlichen beschreibt sich selbst als neugierig.
00:07:12: Gleichzeitig sagt ein erheblicher Anteil, Schule sei für sie Zeitverschwendung.
00:07:19: Diese beiden Aussagen gehören zusammen.
00:07:22: Denn vielleicht liegt das Problem nicht darin dass junge Menschen nicht lernen wollen?
00:07:27: Vielleicht klingt es Schule zu oft nicht ihre vorhandene Lernbereitschaft zu erhalten.
00:07:34: Das wäre ein grundlegender Unterschied.
00:07:37: Dann müssten wir weniger fragen.
00:07:39: Wie bringen wir Kinder dazu zu lernen?
00:07:42: Und häufiger was geschieht mit ihrer ursprünglichen Freude am Lernen.
00:07:49: Ein kleines Kind muss nicht zum Lernen gezwungen werden, es beobachtet, es fragt, es fällt hin und versucht es erneut.
00:07:58: Niemand muss ein Dreijährige erklären Es solle heute bitte neugierig sein.
00:08:05: Neugier gehört zunächst zur Menschsein Später verändert sich etwas.
00:08:11: Aus Fragen werden Aufgaben, aus Entdeckungen entstehen Lernziele.
00:08:17: Aus eigenem Interesse wird zunehmend Pflichterfüllung.
00:08:21: Richtig oder falsch?
00:08:23: Gut oder schlecht?
00:08:25: Bestand oder nicht bestanden?
00:08:27: Natürlich braucht Lern auch Anstrengung!
00:08:30: Es wäre falsch, Schule zu einem Ort zu erklären an dem Kinder ausschließlich das machen sollen worauf sie gerade Lust haben, aber ebenso falsch wäre die Annahme Lernen entstehe hauptsächlich durch Druck.
00:08:46: Dauerhafte Lernbereitschaft wächst dort wo ein Mensch einen Sinn erkennt sich als wirksam erlebt und eine Beziehung zum Lerngegenstand entwickeln kann.
00:08:58: Genau an diesem Punkt lohnt sich der Vergleich mit erfolgreichem Bildungssystem.
00:09:05: Was machen erfolgreiche Staaten anders?
00:09:09: Internationale Vergleiche sind schwierig.
00:09:12: Kein Bildungssystem lässt sich einfach kopieren.
00:09:15: Finnland ist nicht Deutschland, Singaproh ist nicht Deutschlands.
00:09:20: Estland besitzt andere gesellschaftliche Voraussetzungen.
00:09:25: Kanada wiederum hat eine andere Struktur und Geschichte – trotzdem lassen sich Muster erkennen!
00:09:32: Und einige davon sollten uns beschäftigen.
00:09:35: Estland – früh fördern statt spät reparieren.
00:09:41: Estland gehört seit Jahren zu den leistungsstarken europäischen Staaten.
00:09:46: Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Leistungsspitze, entscheidend ist das vergleichsweise viele Schülerinnen und Schüler ein solides Grundniveau erreichen.
00:09:59: Ein wichtiger Gedanke dazu lautet, Probleme sollen möglichst früh erkannt werden.
00:10:06: Unterstützung beginnt nicht erst dann wenn ein Kind jahrelang Misserfolge erlebt hat.
00:10:13: Es klingt selbstverständlich Doch genau dort liegt ein Unterschied.
00:10:19: In Deutschland wird häufig lange beobachtet, diagnostiziert und anschließend über Zuständigkeit diskutiert.
00:10:28: In erfolgreichem System steht stärker die Frage im Vordergrund, was braucht dieses Kind jetzt damit es weiter lernen kann?
00:10:39: Nicht das Versagen des Kindes geht im Mittelpunkt sondern die pädagogische Antwort.
00:10:45: Sehen wir nach Finnland Vertrauen statt permanente Kontrolle – Finnland galt lange als eines der Vorbilder der PISA-Debatte.
00:10:57: Auch dort sind die Ergebnisse inzwischen zurückgegangen.
00:11:01: Das sollte man offen sagen, trotzdem bleibt ein Prinzip interessant.
00:11:06: Lehrkräfte genießen vergleichsweise viel professionelles Vertrauen.
00:11:13: Unterricht wird nicht bis ins letzte Detail durch zentrale Vorgaben gesteuert – damit verbindet sich allerdings eine hohe fachliche Qualifikation!
00:11:26: Freiheit bedeutet dort nicht Beliebigkeit.
00:11:29: Sie setzt Professionalität voraus, vielleicht liegt genau hier ein deutscher Widerspruch.
00:11:36: Wir verlangen Selbstständigkeit von Lehrkräften und engen sie gleichzeitig durch Bürokratie ein.
00:11:44: wir sprechen von individueller Förderung und geben Klassengrößen in denen Individualität schnell zur theoretischen Forderung wird.
00:11:55: Wir fordern Beziehung und füllen den Berufseintag mit Verwaltungsaufgaben.
00:12:01: Dann entsteht eine merkwürdige Situation – die pädagogische Aufgabe wird immer anspruchsvoller, während gleichzeitig immer weniger Zeit für Pädagogik bleibt.
00:12:15: Schauen wir auf Singapur.
00:12:17: Hohe Erwartungen und systematische Unterstützung.
00:12:22: Singapur wird häufig wegen seiner sehr guten PISA Ergebnisse genannt.
00:12:27: Ein direkter Vergleich mit Deutschland muss vorsichtig erfolgen, das Bildungssystem ist stärker leistungsorientiert und kulturell anders geprägt.
00:12:38: Trotzdem lohnt sich ein Blick auf einen Punkt.
00:12:42: Hohe Erwartungen werden dort mit systematischer Unterstützung verbunden.
00:12:47: Schülerinnen und Schüler sollen viel leisten Aber Lehrkräfte werden ebenfalls intensiv ausgebildet und weiterentwickelt.
00:12:57: Schulentwicklung wird nicht dem Zufall überlassen, damit entsteht ein entscheidendes Prinzip.
00:13:05: Wer viel fordert muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit Menschen diese Anforderung erfüllen können.
00:13:14: Das gilt für Schüler und genauso für Lehrer.
00:13:19: In Deutschland erleben wir häufig etwas anderes.
00:13:22: Neue Anforderungen kommen hinzu.
00:13:25: Inklusion, Digitalisierung Sprachförderung Integration Ganztag Individuelle Förderung Dokumentation Elternarbeit All diese Aufgaben können sinnvoll und notwendig sein.
00:13:43: Doch wenn immer neue Aufgaben hinzukommen Ohne Zeit Personal und Strukturen entsprechend anzupassen, entsteht keine Reform.
00:13:54: Es entsteht Überforderung.
00:13:57: Vielleicht ist genau das einer unserer größten Schwierigkeiten.
00:14:01: Deutschland reformiert ständig Neue Lernpläne werden verschrieben Schulform verändert Programme gestaltet Fördergelder bereitgestellt Digitalisierungsoffensive angekündigt Kommission eingesetzt.
00:14:21: Nach einigen Jahren folgen neue Programme, man könnte deshalb sogar sagen unser Problem ist nicht Bevormangel.
00:14:30: Unser Problem ist die fehlende Konsequenz.
00:14:34: Wir beginnen vieles wir überprüfen jedoch zu selten was davon in den Klassenzimmern wirklich ankommt.
00:14:43: und damit sind wir wieder bei unserem Ausgangspunkt.
00:14:47: Das Ergebnis wird sichtbar durch das Handeln.
00:14:51: Ich wiederhole, das Ergebnis wird sichbar durchs Handeln.
00:14:56: Eine gute Absicht ist noch keine gute Schule.
00:15:01: Ein Förderprogramm ist noch eine Förderung Ein Tablet ist noch die Digitalisierung.
00:15:10: Ein Kompetenzraster erzeugt noch keine Kompetenz.
00:15:14: ein Leitbild über Wertschätzung schafft noch keine wertschätzte Beziehung.
00:15:21: Entscheiden bleibt die gelebte Wertlichkeit.
00:15:24: Pisa weiß seit vielen Jahren auf einen Punkt hin, der besonders schwer wiegt In Deutschland hängt der Bildungserfolg weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab.
00:15:38: Natürlich gibt es auch in anderen Staaten soziale Unterschiede.
00:15:44: Doch für ein Land dass Chancengerechtigkeit zu seinen zentralen Bildungszielen zählt, ist dieser Befund problematisch.
00:15:54: Ein Kind entscheidet nicht in welcher Familie es geboren wird, entscheidet über das Einkommen seiner Eltern ebenso wenig über deren Bildungsabschluss die Anzahl der Bücher Zuhause oder die Frage ob jemand am Nachmittag bei den Hausaufgaben helfen kann.
00:16:14: Wenn genau diese Faktoren den späteren Bildungsweg stark beeinflussen, kann Schule ihre ausgleichende Funktion nur unzureichend erfüllen.
00:16:26: Hier zeigt sich etwas Grundsätzliches.
00:16:29: Gerechtigkeit bedeutet nicht jeden Kind dasselbe zu geben.
00:16:34: Gerechtlichkeit kann aber bedeuten ein Kind mehr Unterstützung zukommen zu lassen weil es mit schwierigeren Voraussetzung startet.
00:16:45: Das ist keine Bevorzurung, es ist ein Versuch reale Ungerechtigkeit zu verringern.
00:16:53: Deutschland gehört zu den Ländern in denen Bildungswege vergleichsweise früh getrennt werden.
00:17:00: Nach wenigen gemeinsamen Schuljahren fällt häufig eine Entscheidung die den weiteren Weg stark beeinflusst Gymnasium Realschule Mittelschule oder andere Schulformen, je nach Bundesland.
00:17:16: Die Befruerworter dieses Systems sagen Kinder besitzen unterschiedliche Begabungen Deshalb brauchen sie unterschiedliche Lernwege.
00:17:26: Dieser Gedanke ist nicht völlig falsch.
00:17:28: Menschen sind unterschiedlich.
00:17:31: Doch die entscheidende Frage lautet Wann wissen wir tatsächlich genug über die Fähigkeiten eines Kindes?
00:17:39: um sein Bildungsweg so früh zu sortieren.
00:17:43: Ein zehnjähriger ist noch kein fertiger Mensch, Entwicklung verläuft unterschiedlich schnell.
00:17:50: Manche Kinder lesen bereits mit fünf Jahren andere entdecken ihre Fähigkeiten deutlich später.
00:17:58: Wer früh sortiert läuft der Fall Gefahr nicht nur Begabung zu erfassen.
00:18:04: Er sortiert möglicherweise auch nach Herkunft Sprachfähigkeit, familiärer Förderung und Entwicklungstempo.
00:18:15: Erfolgreiche Bildungssysteme halten Kinder häufig länger gemeinsam – nicht weil alle gleich wären sondern weil sie Verschiedenheit länger innerhalb einer gemeinsamen Schule organisieren.
00:18:31: Das ist ein entscheidender Unterschied.
00:18:34: An diesem Punkt berührt Pisa ein Thema, das sich nicht vollständig in Punkten ausdrücken lässt.
00:18:41: Lernen ist ein menschlicher Vorgang.
00:18:44: Zwischen Lehrenden und Lernenden entsteht Beziehung.
00:18:49: Ein Kind merkt sehr schnell ob jemand an es glaubt.
00:18:54: Es spürt ob Fehler als Versagen gelten oder als Teil des Lernens ob seine Fragen erwünscht sind und es erlebt, ob Schule nur Leistung kontrolliert oder Entwicklung begleitet.
00:19:12: Gerade deshalb sollten wir bei der PISA-Debatte vorsichtig sein.
00:19:18: Die Antwort auf schlechte Ergebnisse darf nicht einfach lauten Mehr Tests mehr Druck mehr Kontrolle mehr Hausaufgaben Denn ein System kann durch zusätzlichen Druck kurzfristig Leistung steigern und langfristig trotzdem die Freude am Lernen beschädigen.
00:19:40: Wir brauchen Leistung, aber wir brauchen ein anderes Verständnis davon.
00:19:47: Leistung sollte nicht nur heißen – wie gut kannst du wiedergeben was dir beigebracht wurde?
00:19:54: Leistung kann auch bedeuten… Was hast Du
00:19:58: verstanden?!
00:20:00: Welche Fragen kannst du stellen?
00:20:02: Kannst Du wissen, ob neue Situationen übertragen und kannst Du mit anderen gemeinsam Lösungen entwickeln.
00:20:12: Genau hier nähert sich eine solche Schule erstaunlich stark dem an was PISA eigentlich prüfen möchte.
00:20:21: Bei jeder PISA-Debatte besteht die Gefahr ein Schulding zu suchen.
00:20:28: Mal sind es die Schüler, dann die Eltern oder der Lehrer.
00:20:33: Schließlich die Politik.
00:20:36: Diese Suche hilft uns wenig.
00:20:39: Lehrkräfte arbeiten innerhalb eines Systems.
00:20:43: Viele tun dies mit großen Engagement.
00:20:46: Gleichzeitig erleben wir Personalmangel, große Klassen, zunehmende Verwaltungsaufgaben und eine wachsene Vielfalt von Anforderungen.
00:20:59: Wer gute Schulen möchte, muss deshalb auch fragen unter welchen Bedingungen arbeiten Lehrerinnen und Lehrer.
00:21:08: Wie viel Zeit bleibt für Gespräche?
00:21:11: Wie intensiv können sie einzelne Schülerinnen und Schüler begleiten?
00:21:17: Welche Unterstützung gibt es bei schwierigen Situationen?
00:21:21: Wie stark ist die Zusammenarbeit im Kollegium?
00:21:25: Und schließlich... Wie attraktiv ist dieser Beruf für junge Menschen?
00:21:31: Denn kein Bildungssystem kann dauerhaft besser sein, als die Bedingungen unter denen seine Lehrkräfte arbeiten.
00:21:40: Vielleicht liegt hier der größte Denkfehler in der gesamten Pisa-Debatte.
00:21:47: Wir behandeln Bildung häufig wie ein Problem der Schule Aber Schule kann gesellschaftliche Entwicklung nicht allein auffangen.
00:21:57: Kinder wachsen in Familien auf, in Wohnvitteln.
00:22:01: In einer digitalen Welt!
00:22:03: Sie erleben soziale Ungleichheit, Sprachunterschiede, kulturelle Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit.
00:22:13: Viele verbringen täglich Stunden in Sozialmedien.
00:22:18: Ihre Aufmerksamkeit wird von Plattform umkämpft, deren Gesellschaftsmodell gerade darin besteht Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden.
00:22:29: Gleichzeitig erwarten wir von einer Lehrkraft, dass sie morgens eine Klasse betritt und alle Kinder konzentriert motiviert und Lernbereitschaft sind.
00:22:41: Das ist doch wirklich unrealistisch oder?
00:22:45: Deshalb ist Bildung eine gemeinsame Aufgabe.
00:22:49: Familie Schule Jugendhilfe Politik Gesellschaft tragen Verantwortung.
00:22:57: Aber diese Verantwortung darf nicht dazu führen, dass am Ende niemand zuständig ist.
00:23:03: Vielleicht brauchen wir weniger große Versprechen und mehr klare Prioritäten.
00:23:10: Kinder sollten früh Unterstützung erhalten wenn Sprache, Lesen oder grundlegende mathematische Fähigkeiten Schwierigkeiten bereiten.
00:23:20: Schulen in sozial belasteten Regionen brauchen deutlich mehr Ressourcen als Schulen in privilegierten Gegenden.
00:23:29: Lehrkräfte benötigen mehr Zeit für pädagogische Arbeit und weniger Verwaltungsaufwand.
00:23:36: Die Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung der Lehrkräftel muss zu den wichtigsten Investitionen eines Bildungssystems gehören.
00:23:47: Kinder sollten möglichst lange gemeinsam lernen können, ohne Unterschiede zu
00:23:52: leugnen.".
00:23:54: Und vielleicht müssen wir Schulen stärker danach beurteilen, ob sie Neugier erhält.
00:24:01: Denn Wissen lässt sich vermitteln – neugier dagegen kann man leicht zerstören!
00:24:07: Deutschland gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt.
00:24:11: Wir verfügen über Hochschulen, Forschungsinstitute, pädagogische Frachtkräfte und jahrzehntelange wissenschaftliche Erkenntnisse.
00:24:22: Uns fehlt nicht das Wissen….
00:24:24: Darum erscheint mir eine andere Frage immer wichtiger.
00:24:29: Haben wir den Mut, aus unserem Wissen Konsequenzen zu ziehen?
00:24:35: Denn Veränderungen im Bildungssystem sind unbequem.
00:24:39: Sie berühren Zuständigkeiten Tradition Schulform und Interessen sowie Gewohnheiten.
00:24:47: Manches was wir jahrzehntelang tun machen wir vielleicht nicht deshalb weiter weil es besonders gut funktioniert, vielleicht tun wir's einfach, weil wir es gewohnt sind.
00:25:00: Pisa-Ar.Pisa.Pisar.Pisan.Piisa.
00:25:02: PISA.PISA.
00:25:02: PISAR.PISAR.-Pisa.,Pisa.-PISA.-Pisars.Piser.Piso.Pizza.Pisu.Pissa.Pisco.
00:25:04: Es könnte etwas anderes sein – ein Spiegel!
00:25:09: Ein Spiegel zeigt uns nicht was wir gerne sehen würden.
00:25:14: Es zeigt uns zunächst nur, was ist?
00:25:18: Wir können anschließend darüber diskutieren ob uns das Bild gefällt.
00:25:23: Wir können die Messmethoden kritisieren.
00:25:27: Wir können erklären, warum andere Länder andere Voraussetzungen besitzen.
00:25:33: Manches davon ist berechtigt.
00:25:36: Doch irgendwann müssen wir vor dem Spiegel eine Entscheidung treffen.
00:25:41: Ändern wie etwas?
00:25:43: Oder erklären wir uns weiterhin, warum Veränderung so schwierig ist.
00:25:49: Seit der ersten Spieserstudio sind etwa twenty-fünf Jahre vergangen.
00:25:55: Eine ganze Generation ist inzwischen durch unser Bildungssystem gegangen.
00:26:01: Wir haben geforscht, diskutiert, reformiert, verglichen, gewarnt und wieder liegen neue Erkenntnisse auf dem Tisch.
00:26:11: Deshalb möchte ich in diesem Podcast nicht mit einer weiteren Forderung nach irgendeiner größeren Bildungsreform beenden.
00:26:21: Ich möchte mit einer einfachen Frage schließen eine Frage an Bildungspolitiker, an Schulverwaltung, an Lehrkräftern Eltern und letzten Ende an uns alle.
00:26:35: Wenn wir längst wissen was Kinder für gutes Lernen brauchen warum handeln wir dann nicht Konsequenz danach?
00:26:45: Ich möchte ganz gerne die Frage wiederholen weil ich sehe sie als sehr wichtig an.
00:26:50: wenn wir längs wissen was Kinder für gutes Lernen brauchen, warum handeln wir dann nicht konsequenz danach?
00:27:00: Denn auch für ein Bildungssystem gilt.
00:27:04: Seine Werte erkennt man nicht an dem, was in seinen Leitlinien steht, seine Qualität erkennt mal nicht an sein Absichtserklärung und seine Zukunft entscheidet sich nicht ins Sonntagsreden.
00:27:21: Das Ergebnis wird sichtbar durch das Handeln.
00:27:25: Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft von PISA-.
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