BRIEF AN FOREL,

Shownotes

Sind wir nur Materie? Ist das Gehirn die Ursache des Bewusstseins oder das Instrument seiner Erscheinung? Wir erkennen eine Wirklichkeit an ihren Eigenschaften und an ihren Wirkungen. Nicht alles Unsichtbare ist unwirklich. Wissenschaft und Religion , zwei Kontrollorgane Der Einheitsgedanke Wissenschaft hilft bei der Sinnfindung Religion versucht Sinngenung Die Seele als alles vereinende Kraft Warum dieser Brief Forel berühren konnte

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00:00:00: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcast.

00:00:05: In den vergangenen Folgen haben wir August Forell auf seinem außergewöhnlichen Lebensweg begleitet, Wir haben den Wissenschaftler kennengelernt, dem Psychiater, Hirnforscher, Sozialreformer, den Naturforscher aber auch den Menschen mit seinen Widersprüchen und Erdtümern Und wir haben gesehen, wie sich im Alter sein Denken veränderte.

00:00:37: Ein Mann, der einen großen Teil seines Lebens auf die Kraft der Wissenschaft und des menschlichen Verstandes vertraut hatte, begann Fragen zu stellen, die mit wissenschaftlichen Methoden allein nicht beantwortet werden konnten.

00:00:56: Was ist Mensch?

00:00:58: Was ist Bewusstsein?

00:01:01: Gibt es eine Seele und gibt es eine Wirklichkeit, die über das sinnliche Wahrnehmbare hinausgeht?

00:01:11: Und vielleicht ist die entscheidende Frage – müssen Wissenschafts- und Religion tatsächlich Gegenteze sein oder liegt gerade in ihrer Verbindung eine Voraussetzung für die Zukunft der Menschheit.

00:01:30: Heute beschäftigen wir uns deshalb mit einem bemerkenswerten Dokument.

00:01:37: Den Brief an Forel, genauer gesagt dem Sendschreiben an Forell von Abdul Bahar.

00:01:46: Doch ich möchte diesen Brief heute nicht einfach nur erklären.

00:01:50: Ich möchte versuchen sein tieferen Gedanken sichtbar zu machen Und dieser Gedanke ist für mich der Gedankel der Einheit Die Einheit von Wissenschaft und Religion die Einheit von Verstand und Vernunft, die Einhalt von materieller Erkenntnis und geistlicher Verantwortung?

00:02:16: Vielleicht geht es letztlich um eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit.

00:02:22: Wie können wir immer mehr wissen ohne dabei zu vergessen, wofür wird dieses Wissen

00:02:30: einsetzen?".

00:02:31: Als augustforell diese Antwort erhielt war er kein junger Mann mehr, der nach einer Weltanschauung suchte.

00:02:41: Er war ein international anerkannter Wissenschaftler.

00:02:46: Er hatte das menschliche Gehirn erforscht sich mit psychiatrischen Erkrankungen beschäftigt die Natur beobachtet und die gesellschaftlichen Missstände analysiert.

00:03:00: Sein Leben lang versuchte er, dieses Welt mit dem Verstand zu verstehen.

00:03:06: Und gerade deshalb ist dieser Brief so interessant!

00:03:11: Denn hier begegnen sich nicht nur Religionen und Wissenschaft – wir begegnern sich zwei unterschiedliche Wege der Erkenntnis.

00:03:21: Auf der einen Seite steht der Wissenschaftler forell auf der anderen Seite steht Abdul Bahar mit einer geistigen und philosophischen Betrachtung des Menschen unter Wirklichkeit.

00:03:36: Es entsteht damit ein Dialog, nicht ein Kampf!

00:03:41: Nicht die Forderung du musst dein Verstand aufgeben um Glauben zu können sondern im Gegenteil.

00:03:49: Denke weiter Prüfe beobachte Frage Aber erkenne auch dass der menschliche Verstand Grenzen besitzt.

00:04:02: Vielleicht ist dies einer der wichtigsten Fragen des gesamten Briefes, sind wir Menschen ausschließlich Materie?

00:04:11: Sind unsere Gedanken nichts anderes als chemische elektrische Vorgänge im Gehirn?

00:04:19: Ist Liebe nur Biochemie?

00:04:23: Ist Gewissen nur ein Ergebnis der

00:04:26: Evolution?".

00:04:28: Ist Mitgefühl nur eine nützliche Überlebensstrategie oder gibt es in Menschen eine Wirklichkeit, die sich nicht vollständig auf materielle Vorgänge reduzieren lässt?

00:04:44: Für Forell als Hirnforscher war diese Frage von besonderer Bedeutung.

00:04:51: Er wusste natürlich das Veränderungen des Gehirns, Veränderungs im Denken und Verhalten hervorrufen können!

00:05:00: Wenn bestimmte Bereiche des Gehirns geschädigt werden, kann ein Mensch Fähigkeiten verlieren.

00:05:08: Sein Gedächtnis kann beeinträchtigt werden.

00:05:11: Seine Sprache, Wahrnehmung und seine Persönlichkeit können sich verändern.

00:05:18: Der Materialist könnte daraus folgen.

00:05:22: Damit ist alles erklärt.

00:05:24: Das Gehirn erzeugt den Menschen Doch der Brief stellt eine andere Möglichkeit zur Diskussion.

00:05:33: Vielleicht ist das Gehirn nicht der Ursprung des gesamten menschlichen Seins, vielleicht ist es auch ein Instrument?

00:05:44: Ein Vermittler!

00:05:46: Ein Werkzeug durch das sich eine tiefere Wirklichkeit des Menschen ausdrückt.

00:05:52: Abdul Bahar verwendet dafür ein eindrucksvolles Bild.

00:05:57: Der menschliche Körper wird mit einem Spiegel verglichen, die Seele mit der Sonne und die geistigen Fähigkeiten des Menschen mit den Strahlen, die von dieser Sonne ausgehen.

00:06:13: Wenn ein Spiege beschädigt wird kann er das Licht nicht mehr richtig widergeben.

00:06:19: aber daraus folgt nicht dass die Sonne beschädig ist.

00:06:29: Aber sie sind nicht identisch.

00:06:33: Auf dem Menschenübertragen bedeutet dieser Gedanke, wenn das Gehirn beschädigt wird kann sich das Denk nicht mehr in derselben Weise ausdrücken.

00:06:45: aber daraus müsste nichts wanksläufig folgen dass die Seele selbst zerstört wurde.

00:06:53: Man kann diesen Gedanken zustimmen oder ihn ablehnen aber man sollte ihn zunächst einmal ernst nehmen, denn er führt uns zu einer entscheidenden Unterscheidung.

00:07:08: Ist das Gehirn die Ursache des Bewusstseins oder das Instrument seiner Erscheinung?

00:07:16: Bis heute ist die Frage nach dem Bewusstsein wissenschaftlich nicht abschließend geklärt!

00:07:24: Wir wissen immer mehr darüber welche Vorgänge im Gehirnen mit Bewusstseinzuständen verbunden wird.

00:07:33: Aber die Frage, warum überhaupt subjektives Erleben existiert bleibt eine der großen philosophischen Fragen.

00:07:42: An dieser Stelle kommt mir zu einem Gedanken den ich für besonders wichtig halte.

00:07:49: Sinngemäß könnte man sagen wir erkennen eine Wirklichkeit an ihren Eigenschaften und an Ihren Wirkungen.

00:07:58: Dieser Satz ist nicht so wortlich aus dem Brief von Forel, aber der Gedanke zieht sich durch die Argumentation abdrüber raus.

00:08:08: Wir können viele Dinge nicht unmittelbar sehen – Aber wir erkennen Sie daran was sie bewirken!

00:08:17: Wir sehen nicht den menschlichen Verstand, wir sehen aber seine Wirkung!

00:08:23: Wir seh'n und erkennen ein Gedanken nicht, aber wir erleben was aus einem Gedanken entstehen kann.

00:08:32: Wir sehen die Liebe nicht als Gegenstand, aber wir erkennen sie an ihren Eigenschaften – an Fürsorge-, Hingabe-, Verlässlichkeit, an der Bereitschaft für einen anderen Menschen da zu sein!

00:08:48: Wir sehen auch Gerechtigkeit nicht.

00:08:51: Wir können Sie nicht auf den Tisch legen.

00:08:54: Wir könnten Sie nicht wiegen und trotzdem wissen wir, was geschieht wenn sie fehlt.

00:09:02: Vielleicht müssen wir deshalb vorsichtig sein mit der Behauptung, was ich nicht sehen kann existiert nicht!

00:09:10: Der Brief wendet sich ausdrücklich gegen einen Materialismus, der nur das sinnlich wahrnehmbare als wirklich anerkennt.

00:09:20: Denn auch Wissenschaft selbst arbeitet ständig mit Wirklichkeiten.

00:09:25: die wird zunächst nur durch ihre Wirkung erkennen.

00:09:31: Der entscheidende Gedanke lautet deshalb, nicht alles Unsichtbare ist unwirklich.

00:09:41: Unsere Sinne sind erstaunlich aber sie sind begrenzt!

00:09:46: Wir sehen nur ein klein Teil des elektromagnetischen Spektrums.

00:09:53: wir hören nur einen begrenzten Frequenzbereich.

00:09:57: unsere unmittelbaren Wahrnehmung zeigt uns also niemals die gesamte Wirklichkeit.

00:10:05: Die Wissenschaft hat Instrumente entwickelt, um diese Grenzen zu erweitern – Mikroskope, Teleskope Messgeräte oder Teilchenbeschleuniger.

00:10:18: Doch auch diese Instrumen beantworten nicht automatisch jede Frage Denn irgendwann kommt der Mensch an einen Punkt, an dem er nicht mehr nur fragt was geschieht sondern Was bedeutet es?

00:10:35: Und genau hier beginnt für mich der Dialog zwischen Wissenschaft und Religion.

00:10:43: Ich möchte an dieser Stelle ein Gedanken formulieren, der für das Verständnis des Einheitsgedankens entscheidend ist.

00:10:52: Wissenschaft & Religion sollten sich nicht bekämpfen.

00:10:58: Sie sollt sich gegenseitig prüfen!

00:11:01: Man könnte sagen Die Religion verstanden als vernünftige, geistige und ethische Orientierung ist ein Kontrollergarn der Wissenschaft.

00:11:13: Und die Wissenschaft getragen von prüfenden Verstand ist ein Controllergern der Religion.

00:11:23: Warum ist das notwendig?

00:11:26: Weil beide Seiten entgleisen könnten!

00:11:33: Verantwortung entzieht, kann in einem grenzenlosen Materialismus geraten.

00:11:41: Dann wird nur noch gefragt Können wir das tun?

00:11:44: Aber nicht mehr sollten wir es tun.

00:11:47: Wir können Gene verändern aber dürfen wir alles verändern Nur weil wir es können?

00:11:54: Wir können künstliche Intelligenz entwickeln Aber nach nählichen Werten sollten sie eingesetzt werden.

00:12:03: Wir können Waffen bauen, die ganze Städte vernächten.

00:12:08: Aber bedeutet wissenschaftliche Möglichkeit automatisch menschliche Berechtigung?

00:12:15: Die Wissenschaft kann uns sagen wie etwas funktioniert aber sie kann aus sich allein heraus nicht immer entscheiden wozu wir es verwenden sollen.

00:12:28: dafür brauchen wir Werte Verantwortung Menschenwürde und Sinn.

00:12:35: Eine Wissenschaft ohne ethische Orientierung kann den Menschen zum Objekt machen, dann wird der Mensch vermessen, analysiert, kategorisiert, optimiert oder vielleicht sogar ausortiert.

00:12:55: Gerade das Leben von August Forell zeigt wie gefährlich diese Entwicklung werden kann.

00:13:01: Forel wollte die Gesellschaft verbessern Doch zeitweise glaubte er, dies könnte auch durch biologische Auswahl und organische Maßnahmen geschehen.

00:13:14: Hier zeigt sich die große Gefahr!

00:13:17: Der Verstand kann außerordentlich Intelligenz sein – und trotzdem in eine falsche Richtung gehen.

00:13:25: Denn Intelligenzerlein ist noch keine Weisheit.

00:13:29: Wissenerlein isch noch keine Menschlichkeit.

00:13:33: Und Fortschritt allein ist noch keine Entwicklung.

00:13:38: Der Verstand braucht deshalb ein Gegenüber!

00:13:42: Ich würde dieses Gegenüber Vernunft nennen, eine Vernunft die nicht nur fragt was es möglich sondern was dient dem Menschen?

00:13:54: Was nützt seiner Würde?

00:13:57: Was verbindet?

00:13:59: Was schafft Einheit?

00:14:02: Nun dürfen wir nicht den umgekehrten Fehler machen.

00:14:06: Auch Religion braucht Kontrolle.

00:14:09: Und dieses Kontrollorgan ist der wissenschaftliche, prüfende Verstand.

00:14:16: Denn Religion ohne Verstand kann Infinatismus verfallen!

00:14:21: Wenn religiöse Aussagen nicht mehr in der Frage werden dürfen – wenn Tradition wichtiger wird als die Wahrheit und Menschen glauben Gott allein für sich gepachtet zu haben Wenn Andersdenkende zu Feinden erklärt werden, dann wird aus Religion Fanatismus.

00:14:41: Dann brennt Religion statt Verbindet.

00:14:45: Dann erzeugt sie Angst statt Erkenntnis.

00:14:48: Dann wird Glauben zur Ideologie.

00:14:52: Deshalb braucht Religion die Wissenschaft.

00:14:56: Sie braucht den Zweifel Die Prüfung Die Beobachtung Die Bereitschaft Erdhümer zu korrigieren.

00:15:06: Eine Religion, die nachweisbar wissenschaftliche Erkenntnisse widerspricht muss ihre eigene Interpretation überprüfen und eine Wissenschaft, die glaubt weil etwas nicht messbar ist könne es grundsätzlich nicht existieren muss ebenfalls ihrer eigenen Grenzen überprüpen.

00:15:31: hier begegnen sich beide Nicht als Feinde, sondern als Partner.

00:15:38: Damit kommen wir zum Kern.

00:15:40: Einheit bedeutet nicht Gleichheit.

00:15:44: Wissenschaft und Religion soll nicht das Seebe tun.

00:15:48: Sie haben unterschiedliche Aufgaben aber sie gehören zu einer gemeinsamen menschlichen Wirklichkeit.

00:15:56: der Verstand untersucht die Vernunft bewertet Die Wissenschaft fragt Wie ist die Welt beschaffen?

00:16:07: Religion und Philosophie fragen, was bedeutet unser Leben in dieser Welt.

00:16:15: Die Wissenschaft erweitert unsere Möglichkeiten.

00:16:19: Religion und Ethik müssen uns helfen Verantwortung für diese Möglichkeiten zu übernehmen.

00:16:28: Vielleicht kann man es noch einfacher sagen.

00:16:32: Wissenschaft hilft bei der Sinnfindung.

00:16:36: Sie erweitert unseren Horizont, sie zeigt uns die Größe des Universums.

00:16:42: Die Entwicklung des Lebens, die Komplizität des Menschen und sie lässt uns staunen.

00:16:49: Religion versucht Sinngebung!

00:16:52: Sie fragt was machen wir mit unserem Leben?

00:16:57: Wofür tragen wir Verantwortung?

00:17:00: Wie wollen wir miteinander leben?

00:17:04: Was bedeutet Gerechtigkeit Was bedeutet Liebe und was bedeutet Menschlichkeit?

00:17:12: Doch auch diese Trennung ist nicht absolut, denn Wissenschaft kann Sinnfragen auslösen.

00:17:20: Und Religion muss sich der Wirklichkeit stellen – gerade darin liegt Einheit, nicht darin Unterschiede aufzulösen, sondern darin unterschiedliche Kräfte miteinander zu verbinden, dass sie einen gemeinsamen Ziel dienen!

00:17:37: Im Brief an Forel begegnet uns immer wieder der Gedanke einer allesverbindenden Kraft.

00:17:45: Abdul Bahar verwendet unter anderem den menschlichen Körper als Beispiel.

00:17:51: Der Körper besteht aus völlig unterschiedlichen Teilen.

00:17:56: Das Auge ist nicht gehernt, das Herz ist nicht das Gehen Die Lunge ist nicht der Fuß.

00:18:03: Jedes Teil hat eine andere Aufgabe Und trotzdem bilden sie gemeinsam einen Organismus.

00:18:12: Einheit entsteht also nicht dadurch, dass alle Teile gleich werden.

00:18:17: Einheid entsteht dadurch, das Verschiedenes miteinander in Beziehung tritt.

00:18:23: Genau dieser Gedanke lässt sich auch auf Wissenschaft und Religion übertragen – Sie müssen nicht gleich werden!

00:18:34: Denn wenn eines von beiden den Anspruch erhebt, allein die gesamte Wirklichkeit erklären zu können, entsteht eine Einseitigkeit.

00:19:04: obwohl sein Vörper keine Flüge besitzt.

00:19:08: Er kann in die Tiefe des Meeres tauchen, er kann weit entfernte Galaxien beobachten!

00:19:16: Er kann die Vergangenheit rekonstruieren, er kan über die Zukunft nachdenken und sogar sich selbst zum Gegenstand seiner eigenen Betrachtung machen.

00:19:27: Ist das nicht bemerkenswert?

00:19:30: Der Mensch denkt – und er kann darüber nachdenke dass er denkt, er besitzt Bewusstsein und er kann über Bewusstseinforschung.

00:19:42: Für Abdul Bahar weiß diese Fähigkeit auf eine geistige Dimension des Menschen hin – der Mensch ist Natur aber es nicht einfach nur passiver Gefangener der Natur.

00:19:57: Auch die Frage nach Gott wird im Brief behandelt.

00:20:00: dabei wird ein wichtiger Unterschied gemacht Der Mensch kann nach dieser Auffassung das Wesen Gottes nicht begreifen.

00:20:10: Denn wenn Gott eine unbegrenzte Wirklichkeit ist, kann ein begrenzter menschlicher Verstand diese Wirklichkeiten nicht vollständig umfassen.

00:20:22: Doch wiederum erscheint der Gedanke wir können etwas durch seine Wirkungen erkennen.

00:20:32: Nicht dass Wesen Gottes wird erkannt sondern es wird aus Ordnung, Zusammenhang und Wirkung auf eine dahinterliegende Wertlichkeit geschlossen.

00:20:46: Auch gilt hier das ist kein naturwissenschaftlicher Beweis im heutigen Sinne.

00:20:53: Es ist ein philosophisches Argument Und genau deshalb sollte man Wissenschaft und Religion nicht vermischen.

00:21:03: Der Fehler beginnt dort vor Religion behauptet, Naturwissenschaft zu sein.

00:21:11: Und ebenso dort wo Naturwissenschaft behauptt hat alle philosophischen und metaphysischen Fragen bereits beantwortet zu haben.

00:21:22: Einheit bedeutet auch hier die Grenzen des eigenen Erkenntnisweges anzuerkennen.

00:21:30: Besonders interessant im Brief ist die Beschreibung der Seele als eine alles-vereinenden Kraft.

00:21:39: Der menschliche Körper besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen.

00:21:44: Jede erfüllt seine eigene Aufgabe, aber etwas verbindet sie in einem Ganzen.

00:21:52: Abdul Bahar nennt die Menschliche Seele als diese vereinnende Wirklichkeit.

00:21:59: Auch hier begegnet uns wieder der Einheitsgedanke Leben bedeutet Verbindung Zerfall bedeutet Trennung.

00:22:10: Vielleicht können wir diesen Gedanken auch gesellschaftlich essen?

00:22:15: Eine Gesellschaft besteht aus unterschiedlichen Menschen, unterschiedliche Kulturen, Fähigkeiten und unterschiedlichen Überzeugungen – die Frage lautet nicht wie machen wir alle gleich?

00:22:30: sondern was verbindet uns trotz unserer Unterschiede?

00:22:36: Vielleicht ist genau dies die große Herausforderung der Menschheit.

00:22:42: Nun verstehen wir vielleicht besser, warum dieser Brief gerade August Forell erreichen konnte.

00:22:49: Forel hatte sein Leben lang nach Ordnung gesucht im Gehirn, der Natur, dem Allmaisenstaat und in der Gesellschaft doch lange suchte Ordnung vor allem durch wissenschaftliche Erkenntnis.

00:23:04: Am Ende seines Lebens begegnet ihm ein ganz anderer Gedanke.

00:23:10: Vielleicht ist die höchste Form der Ordnung nicht Kontrolle, vielleicht ist sie Einheit?

00:23:17: Vielleicht besteht Entwicklung nicht darin Menschen nach ihrem vermeintlichen Wert einzuteilen sondern darin Verschiedenheit miteinander zu verbinden.

00:23:30: Das wäre ein bemerkenswerter geistiger Wandel und vielleicht liegt genau hier die tiefere Bedeutung seiner Begegnung mit der Weihreligion, nicht darin dass er plötzlich alle wissenschaftlichen Überzeugungen aufgab sondern darin das er versuchte sein wissenschaftliches Denken in einem größeren Zusammenhang zu stellen.

00:23:55: Heute ist dieser Dialog vielleicht wichtiger als je zuvor.

00:24:00: unsere Wissenschaft entwickelt sich mit unglaublicher Geschwindigkeit Künstliche Intelligenz, Gentechnik, Robotik, Neurowissenschaften, Biotechnologie.

00:24:14: Wir können immer mehr!

00:24:16: Aber die entscheidende Frage lautet werden wir dadurch auch weiser.

00:24:21: Technischer Fortschritt ohne menschliche Entwicklung kann gefährlich werden.

00:24:28: Religion ohne Vernunft ebenso?

00:24:31: Vielleicht brauchen wir deshalb nicht weniger Wissenschaft sondern mehr Wissenschaft, aber eine Wissenschaft die Verantwortung kennt.

00:24:42: Und vielleicht brauchen wir nicht weniger Religion, sondern eine Religion, die den Verstand nicht fürchtet.

00:24:51: Eine Religion, Die Wissenschaft begrüßt eine Religion die nicht trennt, sondern die zur Einheit führt.

00:25:02: Vielleicht führt uns der Brief am Ende zu einer einfachen aber anspruchsvolle Haltung.

00:25:10: Kein Mensch besitzt die ganze Wahrheit, kein Wissenschaftler, kein Priester keine Institutionen, keine Religion und keine politische Ideologie.

00:25:23: Wir sind Suchende!

00:25:25: Und deshalb brauchen wir einander.

00:25:28: Der Wissenschaftler braucht den Philosophen, der religiöse Mensch braucht den Zweifelnden Der Verstand braucht die Vernunft und die Vernünft braucht den Verstand.

00:25:42: Vielleicht ist Wahrheit nicht dort zu finden, wo eine Seele die andere besiegt?

00:25:49: Vielleicht zeigt sie sich dort, wo unterschiedliche Wege der Kenntnis bereit sind miteinander in einen ehrlichen Dialog zu treten?

00:26:01: Der Brief an Forell ist deshalb für mich mehr als ein religiöses Dokument!

00:26:07: Er ist eine Einladung zum Einheitsdenken.

00:26:11: Er fordert uns auf, Trennungen zu überwinden die wir selbst geschaffen haben.

00:26:18: Wissenschaft gegen Religion Verstand gegen Glauben Materie gegen Geist.

00:26:25: Vielleicht liegt die Zukunft nicht im Entweder oder vielleicht liegt es im Zusammenspiel.

00:26:32: Wissenschaft ohne ethische Orientierung kann zum Materialismus werden und den Menschen auf das Messbare reduzieren.

00:26:43: Religion ohne wissenschaftlichen Verstand, kann es zum Fanatismus werden – und dem Menschen seine Freiheit beroben!

00:26:54: Beide brauchen einander nicht um sich gegenseitig zu werschen sondern um sich gegenseitig vor ihren eigenen Einseitigkeiten zu schützen.

00:27:06: Die Wissenschaft kann uns helfen zu erkennen, wie die Welt funktioniert.

00:27:11: Die Religion kann uns fragen lassen, wofür wir dieses Wissen einsetzen?

00:27:17: Die Wissenschaft erweitert unsere Möglichkeit!

00:27:21: Die Religion erinnert an unsere Verantwortung.

00:27:26: der Verstand prüft, die Vernunft regt ab und vielleicht entsteht Weisheit erst dort wo beides zusammenkommt.

00:27:37: Damit endet unser heutige Folge über die Briefe an Forel.

00:27:42: Vielleicht besteht die größte Aktualität dieses mehr als hundert Jahre alten Dialog gerade darin, Die Menschheit leidet nicht darunter dass sie zu wenig weiß.

00:27:56: Sie leitet auch darunter das Wissen und Weisheit zu oft getrennte Wege gehen.

00:28:02: Wir brauchen die Wissenschaft Wir brauchen den freien Verstand.

00:28:07: Und wir brauchen die Forschung!

00:28:10: Aber wir brauchen ebenso eine geistige und ethische Orientierung, die uns daran erinnert dass nicht alles was möglich ist auch dem Menschen dient.

00:28:35: die sich vor der Wissenschaft prüfen lässt und die den Menschen nicht trennt, sondern verbindet.

00:28:42: Vielleicht ist genau das der Ein- als Gedanke, den wir heute neu entdecken müssen – Nicht Religion oder Wissenschaft!

00:28:52: Nicht Verstand oder Vernunft!

00:28:55: Nicht Wissen oder Sinn!

00:28:57: Sondern ein gemeinsames Suche nach Wahrheit!

00:29:01: Denn der Mensch braucht wissen um die Welt zu verstehen Aber er braucht Weisheit, um mit diesem Wissen menschlich umzugehen.

00:29:13: Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Aufgabe unserer Zeit?

00:29:19: Vielen Dank fürs Zuhören!

00:29:21: Bis zum nächsten Mal hier Hansjörn Dilkner.

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