Folge 2 Lehren oder Belehren ?
Shownotes
Warum Belehrung so häufig scheitert
Was Kinder wirklich brauchen
Auch Erwachsene mögen keine Belehrung
Der große Lehrer Sokrates
Ein Gedanke aus dem Leben
Was unsere Gesellschaft heute braucht
Ein neuer Blick auf das Lehren
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00:00:03: Willkommen zur zweiten Folge unserer Reihe Lehren oder Belehren unter dem Thema Beziehung statt Belehrung, was Menschen wirklich wachsen lässt.
00:00:16: In der ersten Folge haben wir den grundlegenden Unterschied zwischen beiden Begriffen betrachtet.
00:00:23: Lehren öffnet Türen.
00:00:26: Belehrend schließt sie.
00:00:28: Heute wollen wir diesen Gedanken mit Leben fühlen Denn Worte allein verändern noch nichts.
00:00:34: Entscheidend ist, wie wir Menschen begegnen – ob in der Familie oder Schule, in einer Gruppe oder im Täglichen miteinander.
00:00:45: Dabei werden wir feststellen, dass der Unterschied zwischen leeren und belehren weit mehr ist als eine sprachliche Freiheit.
00:00:56: Er entscheidet darüber, ob Vertrauen entsteht oder Angst.
00:01:00: Ob Menschen wachsen oder sich zurückziehen, ob Gemeinschaft entsteht oder Anpassung.
00:01:09: Stellen wir uns eine alltägliche Situation vor.
00:01:13: Ein Künd stößt beim Frühstück ein Glas Milch um die Milch luft über den Tisch der Becher fällt auf dem Boden nichts Besonderes und doch entscheidet sich in den nächsten Sekunden welche Art von Erziehungen Dieses Kind erlebt.
00:01:32: Der Belehrende sagt, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du aufpassen sollst?
00:01:38: Du bist immer so unvorsichtig!
00:01:41: Vielleicht fügt er noch dazu – du lernst es nie.
00:01:46: Das Kind wischt zwar die Milch auf aber etwas ganz anderes bleibt in seinem Inneren zurück.
00:01:52: Es lernt nicht, in erster Linie vorsichtig zu sein.
00:01:56: Es lerne….
00:01:57: Ich habe Angst.
00:01:59: Fehler sind gefährlich.
00:02:01: Wenn ich etwas falsch mache, bekomme ich Ärger!
00:02:04: Die eigentliche Lernchance geht verloren.
00:02:08: Der Lehrende reagiert anders.
00:02:11: Er sagt vielleicht Schau einmal was passiert ist.
00:02:16: Woran könnte das gelegen haben?
00:02:19: Jetzt beginnt Denken.
00:02:21: Das Kind schaut auf den Becher.
00:02:24: Es überlegt Vielleicht stand er zu nah am Rand.
00:02:28: Dieser Kenntnis gehört jetzt dem Kind.
00:02:31: Sie wurde nicht aufgezwungen, sie wurde entdeckt und genau das ist Lernen.
00:02:39: Nicht Druck veränderte Menschen sondern Einsicht!
00:02:44: Nehmen wir ein zweites Beispiel eine Jugendgruppe diskutiert über ein gesellschaftliches Thema.
00:02:51: Ein Teilnehmer aus seit einer ungewöhnlichen Meinung der belehrenden Gruppenleiter antwortet sofort Das stimmt nicht.
00:03:01: Da hast du etwas falsch verstanden.
00:03:04: Ich erkläre dir jetzt, wie es wirklich ist.
00:03:07: Was geschieht?
00:03:09: Der junge Mensch wird beim nächsten Mal vorsichtiger.
00:03:13: Andere sagen lieber gar nichts mehr!
00:03:16: Die Gruppe wird ruhiger aber nicht glüger.
00:03:20: Sie schweigt – nicht weil sie überzeugt wurde sondern weil sie gelernt hat dass Abweichung unerwünscht sind.
00:03:31: würde anders reagieren.
00:03:33: Er sagt, das ist ein sehr interessanter Gedanke.
00:03:38: Wie bist du zu dieser Meinung gekommen?
00:03:41: Wer sieht es ähnlich?
00:03:43: Welche Erfahrungen sprechen dafür?
00:03:47: Welcher dagegen?
00:03:49: Plötzlich beginnt gemeinsames Denken!
00:03:53: Jetzt besitzt niemand mehr die Wahrheit.
00:03:56: Alle suchen sie gemeinsam und genau darin liegt die eigentliche Würde einer Gemeinschaft.
00:04:04: Viele Menschen glauben, andere durch gute Argumente überzeugen zu können.
00:04:10: Aber oft scheitern Gespräche nicht an den Argumenten.
00:04:14: Sie scheittern an der Haltung.
00:04:17: Sobald jemand spürt Der will mich belehren Entsteht Widerstand Nicht unbedingt laut Oft ganz leise.
00:04:27: Der andere hört zwar noch die Worte aber erinnerlich beginnt Bereist die Verteidigung Nicht weil der Inhalt falsch wäre, sondern weil der Mensch seine Würde schützen möchte.
00:04:40: Deshalb gilt Menschen hören viel besser zu wenn sie sich respektiert fühlen.
00:04:49: Kinder lernen nicht am besten durch Belehrungen.
00:04:53: Sie lernen durch Entdecken und Ausprobieren Fragen durch Irrtümer Durch Gemeinsames finden.
00:05:02: Wer ständig belehrt wird entwickelt häufig Angst vor Fehlern, Unsicherheit, Anpassung vielleicht sogar Gehorsam.
00:05:12: Aber Gehoresam ist noch keine Verantwortung.
00:05:16: Ein Mensch kann hundert Regeln befolgen und dennoch nie gelernt haben selbst Verantwortungsübernehmen.
00:05:25: Manchmal glauben wir nur Kinder reagieren empfindlich doch Erwachsene unterscheiden sich darin kaum.
00:05:33: wer ständig erklärt bekommt Was richtig ist, fühlt sich schnell herabgesetzt.
00:05:39: Deshalb scheitern viele Diskussionen – nicht weil Wissen fehlt sondern weil Augenhöhe fehlt!
00:05:48: Ein Blick in die Philosophie bestätigt diesen Gedanken.
00:05:53: Sokrates gilt heute als einer der größten Lehrer der Menschheitsgeschichte.
00:06:00: Interessant es, er hielt kaum Vorträge, erstellte Fragen.
00:06:06: Er fragte so lange, bis die Menschen selbst begann zu denken.
00:06:13: Seine Schüler fanden ihre Antworten nicht deshalb weil Socrates sie belehrte sondern weil er ihr eigenes Denken weckte.
00:06:24: Vielleicht ist genau das das Geheimnis aller großen Lehrer Sie geben Antworten aber noch weniger!
00:06:34: Sie weckten Fragen.
00:06:36: Während ich an dem Buch Julian Autismus und Pädagogik, warum Näheentwicklung möglich macht, gearbeitet habe wurde mir immer deutlicher wie eng dieser Gedanke mit unserem heutigen Thema verbunden ist.
00:06:52: Viele Menschen fragten damals welche Methode wurde angewendet?
00:06:57: Welches Trainingsprogramm?
00:06:59: Welche Therapie?
00:07:02: Die eindliche Antwort überraschte viele!
00:07:05: Begonnen wurde nicht mit Programmen, begonnen wurde mit Beziehung.
00:07:11: Nicht weil Beziehungen eine Methode wäre sondern weil Beziehen die Voraussetzung jeder Entwicklung ist.
00:07:20: Julian wurde nie belehrt.
00:07:23: er wurde verstanden.
00:07:25: wir wollten entdecken wie seine Welt aussieht.
00:07:28: Wir wollten lernen bevor wir ihn leerten.
00:07:34: Vielleicht war genau das der entscheidende Unterschied, denn wer einem Menschen zuerst verstehen will begegnet ihn anders.
00:07:43: Nicht von oben sondern auf Augenhöhe nicht als Objekt einer Maßnahme, sondern als Persönlichkeit.
00:07:53: Je länger ich darüber nachdenke desto mehr glaube ich.
00:07:58: Belehrung versucht Verhalten zu verändern.
00:08:02: Lehre versucht den Menschen zu entwickeln.
00:08:06: Das ist weit mehr als ein sprachlicher Unterschied, es beschreibt zweitvöllig verschiedene Menschenbilder.
00:08:15: Wir leben in einer Zeit, in der fast jeder jedem erklärt wie er denken soll In den Sozialmedien, der Politik Talkshows oder in der Schule Manchmal sogar in der Familie.
00:08:29: Überall wird erklärt Überall wird bewertet, überall wird belehrt.
00:08:36: Vielleicht ist genau deshalb der Hummern nach wertlichem Zuhören so groß geworden?
00:08:43: Denn Menschen möchten nicht zuerst bewerted werden – sie möchten verstanden werden!
00:08:50: Wer verstanden wird, ist viel eher bereit Neues zu lernen.
00:08:56: Kommen wir zum neuen Blick auf das Lehren.
00:09:00: Vielleicht sollten wir das Wort Lehrer neu verstehen.
00:09:04: Ein Lehrer ist nicht derjenige, der meisten weiß – ein Lehrer ist derjenig, der andere zum Denken bringt.
00:09:12: Nicht durch Druck, überlegenheit oder Belehrung sondern durch Fragen, Vertrauen und Geduld und Beziehungen.
00:09:23: Vielleicht beginnt genau dort jede echte Pädagogik!
00:09:28: Vielleicht beginnt dort aber auch jede gelingende Familie, jede gute Freundschaft, jede lebendige Gemeinschaft und vielleicht sogar eine menschliche Gesellschaft.
00:09:44: Ich möchte diese Folge mit einem Satz beenden der den Unterschied zwischen Lehren und Belehrern viel besser zusammenfassen als viele Erklärungen ein Lehrer vermittelt Wissen Ein Bielehrer vermittelt Überlegenheit.
00:10:03: Oder anders gesagt, Lehren bedeutet ein Menschen größer zu machen, Bilehren bedeutet oft kleiner zu machen.
00:10:13: Wenn wir diese beiden setzen in unseren Familien, in unseren Schulen und unseren Vereinen und unseren Gemeinschaften ernst nehmen würden, könnte sich unser Zusammenleben grundsätzlich verändern!
00:10:28: Vielleicht beginnt jede Erneuerung der Gesellschaft nicht mit neuen Gesetzen, sondern mit einer neuen Art miteinander zu sprechen.
00:10:39: Nicht belehrend, sondern lehrend – nicht von oben nach unten, sondern auf Augenhöhe!
00:10:50: Denn der Mensch wächst nicht dort wo er sich unterlegen fühlt.
00:10:55: Er wächst dort wo es sich angenommen verstanden und ernst genommen weiß.
00:11:02: Vielen Dank fürs Zuhören, bis zur nächsten Folge!
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