3 August Forel, Wissenschaft, Seele und Menschlichkeit
Shownotes
a) Alkoholismus und soziale Not
b) Forels Gesellschaftskritik
c) Fortschrittsglaube Europas
d) Krieg und moralischer Zerfall
e) problematische Seiten Forels
f) Eugenik und Zeitgeist
g) die Gefahr reiner Vernunt ohne Ethik
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00:00:01: Willkommen zurück zu unserer Podcastreihe über August Forel.
00:00:06: In den ersten Folgen haben wir den Naturforscher, dem Psychiater und den Beobachter des menschlichen Geistes kennengelernt.
00:00:16: Doch heute betreten wir einen schwierigeren Raum Denn je tiefer Forel in den Menschenblickte desto deutlich erkannte er Wissenschaft allein macht den Menschen nicht menschliche.
00:00:31: Und genau hier beginnt die vielleicht schwierigste Krise seines Lebens.
00:00:37: Das Europa des späten Jahrhunderts war voller Optimismus, die Menschen glaubten an Fortschritt, an Wissenschaft, Technik, Vernunft und man war überzeugt wenn der Mensch nur genug Wissen besitzt würde Gewalt Krieg und Elend langsam verschwinden.
00:00:59: Doch die Wirklichkeit sah anders aus.
00:01:02: Europa wurde moderner, aber nicht friedlicher.
00:01:06: Forell begann diesen Widerspruch immer deutlicher zu sehen.
00:01:12: Als Psychiater sah Forell täglich Menschen, die innerlich zerfielen – Nicht nur durch Krankheit sondern durch Einsamkeit, Sucht, Verzweiflung und gesellschaftlichen Druck.
00:01:27: Besonders beschäftigte ihn der Alkoholismus, vorhin sah wie Alkohl Familien zerstören konnte.
00:01:35: Wie Menschen ihre Würde verloren?
00:01:38: Wie Gewalt entstand?
00:01:41: Wie innere Lehre sich langsam in Selbstzerstörung verwandelte?
00:01:46: Für ihn war Alkool nicht nur ein medizinisches Problem sondern ein Zeichen das etwas im Menschen und in der Gesellschaft aus dem Gleichgewicht geraten war.
00:02:01: Vielleicht begann Forell hier etwas zu erkennen, dass bis heute aktuell geblieben ist?
00:02:09: Der Mensch ist innerlich nicht einig!
00:02:13: Ein Teil des Menschen will Ordnung, ein anderer Teil zerstört sie wieder.
00:02:19: Ein Teil sucht Wahrheit, ein Anderer flieht vor ihr.
00:02:25: Ein Teil möchte Mitgefühl, ein anderer reagiert mit Härte Angst oder Gewalt.
00:02:33: und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem des Menschen.
00:02:39: Nicht nur mangelndes Wissen sondern innere Zerrissenheit!
00:02:45: Und doch wird es schwierig denn auch Forel selbst war nicht frei von Irrtümer seiner Zeit.
00:02:53: Wie viele Wissenschaftler jener Epoche beschäftigte er sich mit Ideen, die wir heute kritisch sehen und der anderen mit eugenischen Vorstellungen?
00:03:05: Mit der Frage ob man die Menschheit verbessern könne.
00:03:10: Heute wissen wir wie gefährlich solche Gedanken werden können denn sobald Menschen anfangen den Wert andere Menschen zu beurteilen beginnt etwas Dunkles.
00:03:24: Dann verliert der Mensch den Blick für die Würde des Einzelnen.
00:03:30: Vielleicht zeigt sich gerade hier eine große Tragik der Moderne.
00:03:36: Wissenschaft kann heilen, aber Wissenschaft kann auch kalt werden.
00:03:42: Ein Mensch kann hochintelligent sein und trotzdem unmenschlich handeln.
00:03:48: Geschichte-und Gegenwart zeigen uns das immer wieder.
00:03:52: Forell begann langsam zu ahnen das Erkenntnis allein nicht genügt, dass Wissen ohne Mitgefühl gefährlich werden kann.
00:04:03: Während Forel älter wurde, veränderte sich auch Europa.
00:04:08: Nationalismus wuchs Menschen begannen einander immer stärker als Gegner zu sehen.
00:04:16: Die industrielle Welt wurde mächtiger aber auch härter.
00:04:21: Vielleicht spürte Forel, daß der Mensch technisch schneller reife als moralisch.
00:04:27: Eine Entwicklung, die bis heute nicht endet ist.
00:04:32: Dennoch immer erleben wir mehr Wissen bedeutet nicht automatisch mehr Menschlichkeit.
00:04:40: Vielleicht ist genau das der tiefste Satz dieser Folge.
00:04:45: Brutalität beginnt dort wo der Mensch im anderen verschwindet.
00:04:53: Wie schnell Menschen anfangen, nur noch Funktionen zu sehen.
00:04:58: Nur nach Kategorien.
00:05:01: Nur noch nutzen und genau dadurch entsteht Entmenschlichung.
00:05:07: Je mehr forell die Gesellschaft beobachtete desto stärker entstand in ihm eine neue Frage Was fehlt den Menschen innerlich?
00:05:20: Warum bleibt der Mensch trotz Bildung Technik und Wissenschaft so oft orientierungslos.
00:05:28: Warum wächst Wissen?
00:05:31: Aber nicht automatisch Weisheit!
00:05:34: Und vielleicht beginnt genau hier der Wendepunkt im Forelzleben, denn im Alter von seventy- zwei Jahren geschieht etwas überraschendes Ein weltbekannter Wissenschaftler beginnt sich geistigen Fragen neu zu öffnen Nicht weil er sein Verstand verliert, sondern vielleicht gerade, weil sein Denken tiefer geworden ist.
00:06:02: Forell beginnt zu ahnen – der Mensch braucht mehr als reine Vernunft!
00:06:09: Mehr als Technik, mehr als Wissen.
00:06:13: In der nächsten Folge kommen wir zu einem der erstaunlichsten Kapitel seines Lebens.
00:06:19: Wir sprechen darüber warum August Forell Mit siebzig Jahren Bachei wurde, warum ein berühmter Wissenschaftler plötzlich begann über Einheit der Menschheit, geistige Entwicklung und die Verbindung von Wissenschaft und Religion nachzudenken.
00:06:40: Vielleicht stellen wir dabei die Frage – die heute aktueller ist denn je?
00:06:46: Kann einem Menschen lernen innerlich menschlich zu
00:06:49: werden?".
00:06:51: August Vorell begann sein Leben als Botschafter der Natur.
00:06:56: Doch je älter er wurde, desto mehr erkannte er.
00:07:01: die größte ungelöste Frage war nicht die Natur sondern der Mensch selbst.
00:07:09: Danke fürs Zuhören!
00:07:11: Bis zur nächsten Podcast-Sendung.
00:07:14: Ihr Hans-Jarim Döbner.
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