Walpurgisnacht 31.April-1.Mai

Shownotes

Im Deutschlandfunk wurde in der Sendung Tag für Tag /Magazin für Religion und Gesellschaft über die Bedeutung der Walpurgisnacht berichtet.
In Europa wurden im 16.und 17. Jahrhundert 40 000 bis 60 000 Menschen wegen Hexerei angeklagt und hingerichtet.
Noch heute werden Menschen vor allem in Afrika als Hexen und Hexer verfolgt und hingerichtet .
Hexer und Hexen wurden als verlängerter Arm des Teufels angesehen.

Müssen wir diesen Tag in unserer Kultur überhaupt feiern.

Transkript anzeigen

00:00:00: Deutschlandfunk,

00:00:02: Tag für Tag.

00:00:04: Mit Ina Rothschild herzlich willkommen.

00:00:18: Ende des Monats in der Nacht auf den ersten Mai Da werden viele Leute hierzulande wieder die Walpurgisnacht feiern Ein traditioneller Brauch mit Feuer und Hexenverkleidungen Der vor allem im Harz viele Touristen anzieht Was allerdings bei diesen volkloristischen Feiern in Vergessenheit gerät.

00:00:35: Zehntausende Menschen wurden im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert wegen Hexerei verfolgt und hingerichtet.

00:00:42: Wie es dazu kam, und wer dafür verantwortlich war – das ist unser Thema heute hier in unserer Magazin für Religion und Gesellschaft!

00:01:04: Ob Goethe, Hänsel & Gretel oder Hollywood – Das Image von der bösen Hexe, die einen Pakt mit dem Teufel schließt?

00:01:11: Es hält sich hartnäckig… und hat doch so wenig mit der Realität

00:01:15: zu tun.

00:01:16: Denn in Europa wurden im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert geschätzt, vierzig bis sechszigtausend Menschen im Zuge der Hexenverfolgung hingerichtet.

00:01:26: Wie so oft in der Geschichte suchten die Menschen nach Sündenböcken für Missernten, schlimme Krankheiten oder Wetterkapriolen?

00:01:34: Aber woher kam der Glaube an Hexern und wer befeuerte diesen Waren?

00:01:39: Jan Tolzmann hat ihn historischen Quellen nachgelesen!

00:01:43: Unschuldig bin ich in das Gefängnis gekommen.

00:01:48: Unschuldig muss ich sterben, denn wer in dieses Haus kommt der muss ein Hexer werden oder er wird so lange gefoltert bis er etwas erdichten muss und sich erst Gott erbarme es etwas ausdenken

00:02:01: muss.".

00:02:02: Bamberg, Juli, sixteenhundertundzwanzig Johannes Junius Bürgermeister der Stadt Bamberg ist verurteilt.

00:02:09: als Hexa Im Drudenhaus, einem Gefängnis für Menschen den Hexerei vorgeworfen wird, wartet er auf seine Hinrichtung.

00:02:17: Das Schicksal von Johann Junius – kein Einzelfall!

00:02:21: Innerhalb weniger Jahre wird der Hochstift Bamberg zu einem besonders radikalen Schauplatz der Hexenverfolgung in Europa.

00:02:29: Die Staatsbibliothek Bamberg befindet sich in einer neuen Residenz am Duhmplatz im ehemaligen Machtzentrum der Bamberger Fürstbeschöfe.

00:02:38: Heute lagern hier die meisten dieser Prozessakten.

00:02:42: Der Historiker Günther Dippold blättert vorsichtig durch die Protokolle.

00:02:47: Hier hat man die Folter nahezu beliebig oft wiederholt, bis man das gehört hatte was man wollte.

00:02:53: Johannes Junius hat genau das beschrieben.

00:02:57: Wenn nicht gestand wurde weiter gefoltert.

00:03:01: Zeil am Main knapp dreißig Kilometer von Bamberg entfernt Dort steht noch heute der sogenannte Hexenturm.

00:03:08: Bei jedem Schritt knarren Holzdielen über dem alten Kerker.

00:03:12: Hier im Dunkeln zwischen kalten, feuchten Mauern harten die Gefangenen aus.

00:03:17: Sie warteten auf das Verhör, auf die Folter und auf ihr Urteil – fast immer auf ihren Tod!

00:03:24: Der Altbürgermeister und Historiker Christoph Winkler zeigt diesen Ort.

00:03:28: Das ist Anstloch.

00:03:30: Da wurden die Leute da

00:03:31: stehen wir jetzt.

00:03:32: Der Zugang zu tun war nur

00:03:34: hier über die Tür,

00:03:35: über den Wehrgang.

00:03:38: Das war ein Lochgefängnis.

00:03:40: Da ist das Loch, da wurden die Gefangenen runtergelassen.

00:03:48: Das Loch hatte keine Fenster – Toiletten gab es nicht!

00:03:52: Über den Boden liefen Ratten.

00:03:54: Die Verhöre folgten einem festen Ablauf.

00:03:57: Zunächst suchten die Hexenkommissare nach auffälligen Merkmalen am Körper.

00:04:01: Vermeintliche Zeichen des Teufels.

00:04:04: Es folgte die sogenannte Gütliche Befragung.

00:04:07: Die Angeklagten sollten freiwillig gestehen.

00:04:10: Blieb das Geständnis aus, zeigte man ihnen die Folterinstrumente?

00:04:14: Schließlich begann die peinliche Befragung – die eigentliche Folter.

00:04:18: Stattführer Holger Jaroszek geht ins Detail.

00:04:21: Durch die Folternwerkzeuge Daumenschrauben, spanische Stiefel also die Quetschungen der Untrellextrinitäten dem Hang und den Bock in dem man auf einem spitzzulaufenden Dachähnlichen gestellt Stunden lang verharren muss.

00:04:39: Wirklich körperliche Schmerzen, körperlichen Schäden

00:04:42: verursachen.".

00:04:43: Heute dient der Turm als Informationszentrum.

00:04:46: Hexenverfolgung ist kein abgeschlossenes Kapitel in der Geschichte.

00:04:50: In manchen Regionen der Welt werden Menschen bis heute als Hexern und Hexa verfolgt – meist in Zeiten sozialer oder wirtschaftlicher Krisen.

00:05:00: Und genau solche Krisen waren im siebzehnten Jahrhundert Nährboden für die Prozesse Zurück in die Staatsbibliothek nach Bamberg.

00:05:09: Für Günther Dippold ist klar, die Gewalt war kein blinder Ausbruch.

00:05:14: Sie war organisiert.

00:05:15: Viele derjenigen, die die angeblichen Hexen und Hexer folterten oder sie foltern ließen, sahen sich nicht als Täter.

00:05:24: Der

00:05:24: Glaube daran dass es Menschen auf Erden gebe die quasi verlängerte Arme des Teufels sein das war Stand der Wissenschaft, wenn man es mal ganz brutal sagen

00:05:36: will.".

00:05:37: Die Täter glaubten das Richtige zu tun.

00:05:42: Das Ohr des Letztentscheidenden hatten eben das Fürsten,

00:05:55: d.h.,

00:05:56: das Fürstbeschutz von Bamberg.

00:05:57: Im Bamberg kann man es mit einem Namen benennen der Weihbischof und Generalvika Friedrich Förner Der Bescherf in Sonderheit Johann Gottfried von Ashhausen und Johann Georg Fuchs von

00:06:10: Dornheim.

00:06:19: Zeitgenossen nannten ihn den Hexenbrenner oder den Hexe Bischof.

00:06:24: Er war Fürst und Bischoff in einer Person, und wurde niemals für seine Taten zur Rechenschaft gezogen.

00:06:31: Die Protesse liefen also auch unter kirchtlicher Obrigkeit.

00:06:36: Doch die Verantwortung lässt sich nicht einfach eine einzigen Institution zuschreiben", sagt Rita Volkmar von der Universität Trier.

00:06:45: Kirche.

00:06:46: Wir sind im sechzehnten Jahrhundert schon in einer Zeit, wo die reformatorischen Prozesse Fuß gefasst haben.

00:06:53: Wir haben also mindestens drei Kirchen.

00:06:56: Also kann allein schon aus der Sichtweise her nicht DIE Papstkirche die Schuld an den Hexenverfolgungen alleine

00:07:03: tragen.".

00:07:04: Auch deswegen weil die Hexensprozesse überall etwas unterschiedlich durchgeführt wurden?

00:07:09: So mussten in manchen Ländern klärke damit rechnen, selbst hingerechte zu werden.

00:07:14: Sollte es nicht möglich sein die Angeklagten als Hexen und Hexer zu überführen?

00:07:19: Der Historiker Johannes Dillinga der beiden Universitäten Mainz & Oxford Books in England nennt drei Faktoren, die zusammenfallen müssen um große Verfolgungswellen auszulösen.

00:07:30: Erstens – der Glaube an Hexerei ist fest verankert.

00:07:33: Zweitens eine Krise.

00:07:35: Klimakapriolen wie die kleine Eiszeit bringen Missernten bewaffnete Konflikte, wieder dreißigjährige Krieg.

00:07:42: Verwüsten ganze Regionen und wirtschaftlicher Druck verunsichert die Menschen zusätzlich.

00:07:47: Und drittens der Staat ist bereit einzugreifen.

00:07:51: Hinzu kommt...

00:07:52: Dann gibt es schlecht organisierte Staaten wie Bamberg-Würzburg Eichstedt bei denen die Herrschaft ein Verfolgungsinteresse hat und diese Verfolgung Interesse administrativ völlig falsch umsetzt Nämlich durch Einsetzungen von Sondergerichten.

00:08:10: Das sind dann sehr kleine Gremien, das sind eine Hand vor Leute die den nächsten Prozess ganz allein führen ohne jegliche Kontrolle voraus.

00:08:19: Ob wann und wo solche Kommissare tätig wurden entschied sich lokal.

00:08:23: Das macht einfache Zuschreibung schwierig.

00:08:27: Selbst die katholische Küche war kein geschlossener Block.

00:08:30: Die Haltung vieler Jesuiten zu den Hexenprozesten etwa wandelte sich vom XVI.

00:08:36: zum XV.

00:08:36: Jahrhundert, Rita Volkmer.

00:08:38: Viele Vertreter des Jesuitenorns haben dann in dem ersten Drittel des XVII.

00:08:44: Jahrhunters und zunehmend gegen Hexensprozesse argumentiert weil sie als Beichtväter in den Kerkern dieses ganze Elend der Verhöre mitbekommen

00:08:53: haben.

00:08:54: Dennoch hält sich bis heute das Bild einer eindeutig schuldigen Kirche hartnäckig.

00:09:00: Aber auch diese Vorstellung hat Geschichte.

00:09:02: Johannes Dillinge?

00:09:03: Das ist eine Erfindung der Staaten aus dem neunzehnten Jahrhundert, da muss die Kirche an möglichst viel Schuld sein.

00:09:09: Deshalb mag Bismarck dann gerne aufgenommen in seinem Kulturkampf und die Nazis waren hellauf begeistert.

00:09:15: Denn das ist natürlich eines der wichtigen Elemente der sogenannten Kirchenkritik im sogenannten Dritten Reich.

00:09:23: Die

00:09:23: Geschichte der Hexenprozesse wurde später selbst zum politischen Werkzeug.

00:09:28: SS-Reichsführer Heinrich Himmler ließ zwischen nineteenhundertfünfundreißig und nineteenhundhundertvierzig, dem sogenannten Hexensonderauftrag systematisch Hexennprozessakten sammeln und auswerten.

00:09:40: Ziel war es die Kirche historisch zu belasten und ihre Autorität zu untergraben.

00:09:45: Inzwischen setzen sich die Stadt und die Diözese Bamberg intensiv mit der Hexenverfolgung auseinander.

00:09:52: Zum tausendjährigen Bistumsjubiläum im Jahr seven bekannte sich das Bistum ausdrücklich zu seiner historischen Mitverantwortung für die Hexeverfolgung.

00:10:02: Der Theologe, Historiker und Domkapitular am Bamberger Dom Norbert Jung beschäftigt sich seit Jahren mit den Bamberger Prozessen.

00:10:10: Ich

00:10:10: sehe eigentlich keinen weiteren Aufklärungsbedarf von Seiten der Kirche hinsichtlich der Geschichte der Hexenverbrennungen.

00:10:19: Was aber natürlich schon immer wünschenswert bleibt, dass von Seiten dieser Bevölkerung mehr Interesse für diese Informationen

00:10:27: wäre.".

00:10:28: Die meisten Akten sind erforscht – die Namen der Verantwortlichen bekannt!

00:10:33: Was bleibt ist die Erinnerung an die Opfer.

00:10:37: Bamberg Juli, sixteenhundert-undzwanzig Johannes Junius Bürgermeister der Stadt.

00:10:43: Kurz vor seiner Hinrichtung schreibt er einen Brief an seine Tochter.

00:10:47: Du darfst getrost darauf schwören, dass ich kein Hexer sondern ein Märtyrer bin der hier mit stirbt.

00:10:54: Tausendmal gute Nacht!

00:10:56: Denn dein Vater Johannes Junius sieht dich nimmer mehr.

00:10:59: Der Brief wird aus dem Gefängnis geschmuggelt.

00:11:02: Ob der Brief seine Tochte jemals erreicht hat ist ungewiss.

00:11:07: Zehn Tage später wird Junius verbrannt.

00:11:11: Wer trug Verantwortung für die Hexenprozesse, Jan Tolzmann hat nach Antworten gesucht.

00:11:38: In den vergangenen Jahrzehnten da haben Historiker und Historikerinnen die Geräueltaten der Hexeverfolgung ausgiebig erforscht.

00:11:45: nur einen umfassenden Überblick wie viele Fälle es gab und wo sie stattfanden das gab es bislang nicht.

00:11:52: Kai Lehmann, der beschäftigt sich mit diesem Thema.

00:11:55: er ist Historiker- und Leiter des Schlossmuseums Wilhelmsburg im Thüringischen Schmalkelden Und er befasst sich seit vielen Jahren mit der Aufarbeitung dieses Dunklen Kapitels der deutschen Geschichte.

00:12:06: Jetzt hat er ein Buch geschrieben, mit dem Titel Hexen vor Gericht, Krisenangst und Massenmedien vor eighteenhundert.

00:12:14: Ich habe mit ihm vor der Sendung gesprochen und ihn gefragt ob ihm bei seinen Recherchen einen Schicksal besonders in Erinnerung geblieben ist?

00:12:23: Das kann man bei Abertausenden von Schicksalen wirklich nicht so herauskreisen weil hinter jedem Namen, hinter jeden Opfer steht ein ganz, ganz furchtbares Schicksal.

00:12:32: Und diese Schicksale setzen sich ja auch weiterhin fort!

00:12:35: Denn wenn wir anfangen einer Opfer-Debatte zu führen – wo fängt das Opfer an?

00:12:40: Wo hört das Opfe

00:12:41: auf?!

00:12:41: Dann kommen wir in so eine Quadratur des Kreises irgendwo rein.

00:12:46: Vielleicht mal ein Beispiel aus meiner Heimatregion, aus Schmal-Kallen.

00:12:49: Dort wird nach dem dreißigjährigen Krieg eine ältere Dame, eine Witwe oder seiner AB mit Namen der Hexerei verdächtigt und angeklagt.

00:12:57: Sie wird verhaftet.

00:12:59: wie wird der Prozess gemacht?

00:13:00: Sie wird im Kristallturm der Schmal-Kalder Wilhelmsburg in einem sechs Meter tiefen Verlies unter der Erde, das sogenannte Angstloch eingekärkert.

00:13:08: Sie bleibt insgesamt siebenhundertundzwanzig Tage in diesem Angstlocht drinnen bei barbarisch der Kälte, bei schwimmsten Haftbedingungen.

00:13:16: Die Frau hat zweimal die Folter überstanden ohne zu gestehen und die in ihrem Fall um Rechtsbelehrung ersuchte Juristenfakultät der Universität Marburg.

00:13:26: Das spricht diese Frau nicht etwa frei!

00:13:28: Sondern die Frau wird mit ewigen Landesverweis bestraft.

00:13:31: Das heißt, sie darf die Grenzen der Herrschaft Schmal-Kalten nicht wieder betreten!

00:13:34: Sie wird auf einen Kacken auf die Grenze der Herrenschaft Schmal Kalten gefahren.

00:13:38: Sie muss gefahren werden weil sie in Erfolter zum Krüppel geworden ist.

00:13:42: Im wochenlangen heimlichen Nachtaktionen rott dieses arme Geschöpf zurück vor die Tore des Stadt Schmal kalten versteckt sich dann und stirbt dann schließlich kommt mit dem Leben.

00:13:51: davon Entschreiten Sie selber, ob das ein Opfer ist oder nicht?

00:13:55: Sie suchen ja.

00:13:55: in Ihrem Buch präsentieren sie auch die Motive und stellen die Motiv zusammen.

00:14:00: Weswegen Menschen der Hexerei bezichtigt wurden und scheint irgendwie in der Menschheitsgeschichte immer schon gegeben zu haben dass man Sündenböcke gesucht hat zum Beispiel für Klimaereignisse verernte Ausfälle wenn das viel stirbt oder eben auch für die Pest.

00:14:16: Es gab die Pestprogramme Mitte des vierzehnten Jahrhunderts.

00:14:19: Da wurden die Juden zu Sündenböcken gemacht, weil sie angeblich die Brunnen vergiftet hatten.

00:14:25: Woher kam plötzlich diese Idee?

00:14:27: von den Hexen im sechzehnt und siebzehnte Jahrhunderte?

00:14:30: Also unerklärliche Todesfälle, unerklärliche Krankheiten, Viehseuchen aus dem Nichts kommende Unglücke.

00:14:36: Die gab es in der Antike, die gab's im Mittelalter auch schon.

00:14:39: Aber zu Beginn des sechzähnten Jahrhunters kam es zu einer massiven Mehrung von Krisen.

00:14:46: einer prominenten Stelle zu nennen, eine natürliche Klimaveränderung mit der sogenannten kleinen Eiszeit.

00:14:52: Das heißt die Sommer werden rauer und feuchter, die Winter länger und kühler.

00:14:57: Was das für eine landwirtschaftlich dominierte Zeit für Folgen hat?

00:15:00: Das brauche ich niemandem sagen!

00:15:02: Wir haben also mehrere Missernte nacheinander, die sich da helfen.

00:15:05: Die Menschen leiden Hunger sind dadurch anfälliger auch für Krankheiten, für solchen Züge.

00:15:11: Die Welt schien da irgendwie aus den Fugen geraten zu sein Und das Ganze wird medial auf einmal mit einer neuen Macht noch befeuert, nämlich eben mit den Medien.

00:15:19: Der Buchdruck, die eigentlich segensreiche Entdeckung des Jahres Gutenberg für das christliche Abendland – Die Entdecken des Drucks mit beweglichen Lettern – sie wird durch die Hexenverfolgungen Adaptionum geführt.

00:15:31: Die universelle Macht der neuen Medien hat ja die Reformation schon vorgemacht Und jetzt erscheinen auf einmal Flugblätter, Flugschriften in Größenordnungen und erreichen eine breite Masse.

00:15:43: Und dann auch die bildende Kunst, ob es ein Albrecht-Dürer ist, ob das ein Baldungklin ist oder zahllose namenlose Künstler, die auf Holzstichen den Bösen auf einmal einen Gesicht geben.

00:15:54: Jetzt sieht man auf einmal vor was man sich fürchten muss, so was man Angst haben muss.

00:15:59: Das ist eine Gesellschaft, die irgendwo über einer Dunsklocke der Angst liegt Weil große Teile der Gesellschaften fest davon überzeugt, ja es gibt Hexen.

00:16:08: Sie sind für unsere Unglücke verantwortlich!

00:16:11: Dann die Art der Hinrichtung bedingt auch neue Verfolgungen weil befroren Delegenten hingerichtet werden, werden die Geständen sehr laut und für jeden vernehmbar verlesen.

00:16:21: Die Hunderte oder Tausende Schaulustige, die bei einer Hinrichting da sind.

00:16:25: Und dann hört man eben oh, sie hat ein Kind umgebracht auf Zaubergeschad und Weiße, die hat eine Kuh getötet, die er das Wetter gemacht.

00:16:32: Und das ist ja nicht nur aus dem Ort, wo die Menschen dorthin strömen zu dieser Hinrichtung.

00:16:36: Die Pilger ein Jahr von A und B dat hin um diese Sensationsereignis einfach zu sehen.

00:16:41: Und so nimmt man das einfach mit.

00:16:43: Ist bei uns im Ort nicht auch ein Kind dazu.

00:16:46: mystischerweise gestorben, ist dem nicht auch plötzlich eine Kuhkrank geworden.

00:16:50: Und so haben wir einen negativen Kulturtransfer eben auch durch die Art der Hinrichtungen und durch die Kommunikation.

00:16:55: Das spielt also vieles hier rein.

00:16:57: aber ich glaube Klimakrise in Kombination mit den Massenmädchen ist ein ganz starker Treiber.

00:17:04: Sie schreiben – und das haben wir ja schon im Beitrag gehört Nicht so einfach die Kirche für die Hexenverfolgung verantwortlich machen kann.

00:17:12: Dabei war es, Herr Papst, Innozenz der vierzehn-vierundachtzig die sogenannte Hexensbulle veröffentlicht hat.

00:17:18: Hat die Kirchen nicht doch einen erheblichen Anteil an diesem Phänomen?

00:17:22: Also um das auch klarzustellen, Häksenprozesse werden auch in den geistlichen Fürstentümern ausschließlich vor weltlichen Gerichten gefühlt Und die Kirche, die gibt es spätestens seit Fünfzehnhundert und Siebzehn nicht mehr.

00:17:37: Seit dem Thesenanschlag von Martin Luther.

00:17:39: Wir sprechen streng genommen sogar von drei Kirchen.

00:17:42: Interessant dürfte sein weil ja immer wieder dieses Klischee bedient wird diese böse katholische Kirche mit ihrer Inquisition die da die armen Frauen verfolgt hat.

00:17:53: Wenn wir wirklich mal die Zahlen in einen Topf werfen und das haben wir unserem Buch zum ersten Mal gemacht, dann sieht man sehr schnell auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.

00:18:02: Die Opferzahlen in den protestantischen Gebieten halten sich nahezu die Waage zu den opferzahlenden katholischen Gebiete.

00:18:09: also mit den Finger in die Geschichte zu zeigen und die böse Kirche dafür verantwortlich zu machen Das ist einfach nicht der Fall.

00:18:16: natürlich gibt es Männer die auf die Kanzeln steigen und gegen die Hexen predigen.

00:18:21: Natürlich gibt es Bischöfe, die fest davon überzeugt sind jetzt Hexenhagden zu beginnen.

00:18:27: aber der Bischof ist zugleich auch immer das weltliche Oberhaupt eines Territoriumss Und es ist so eine Hand in Hand gehen.

00:18:34: Der meiste Druck kommt aus dem Bevölkerung.

00:18:36: Jagd fangt Hexe.

00:18:38: Sie sind für unserer Unglücke verantwortlich Dieser sogenannte Druck von unten.

00:18:42: Und dort wo dieser Druck von unten Auf eine Verfolgungswillige Obrigkeit Stößt, da kann es zu wahren Exzessen kommen.

00:18:50: Aber es gibt eben auch einige Gegenden wo eine extreme Unwilligkeit der Obrigkeit da ist Ob das in der Kurpfalz ist, ob das beispielsweise auch mit bei mir.

00:19:00: In meinem Bericht in der Herrschaftsschmalkeit, in den hessischen Herrschaftschmallkeiten der Fall ist.

00:19:04: Da kommt es kaum zur Verfolgung.

00:19:06: aber wie gesagt wo dieser Druck von unten auf eine verfolgungswillige Obrigkeit stößt sind wahre Exzesse durchaus möglich?

00:19:13: Ist es denn eigentlich?

00:19:14: Sie haben die Hexenverfolgungen im Grunde genommen auf dem Gebiet des heiligen Röhmischen Reichsdeutscher Nation untersucht?

00:19:21: Gab es Hexenverfolgung auch in anderen Regionen, auf anderen Kontinenten?

00:19:26: Oder war das ein europäisches oder sogar ein deutsches Phänomen.

00:19:31: Der Klauber an übernatürliche Wesen, an nachtfahrende Gestalten, an schwarze, an weiße Magie, an Hexern und Zaubererei – dieser Glaube ist glaube ich so alt wie die Menschheit selber!

00:19:40: Besprechend seit der Antike glaubte man überall dass es Hexe und Zaubere gibt und sie mit ihrer Schadensstiftenden Magie viel Unglücke anrichten.

00:19:48: Und das zieht sich auch quer beet durch die Kontinente.

00:19:50: Auch in anderen Kulturen haben wir dieses Phänomen bis heute zu beobachten, denn nicht wenigen Gegend rund unter Nequator spielt das Thema Hexenverfolgung noch eine ganz große Rolle.

00:20:02: und wenn wir uns alle mal ehrlich machen, dann haben wir die Hexeverfolgungen auch noch in Mitteleuropa.

00:20:08: natürlich verbrennen wir die Leute heute nicht mehr aber wir haben andere Mittel gefunden über soziale Medien beispielsweise, den Unliebsteramen auf der anderen Seite irgendwie Mundtot zu machen und irgendwie an den Pranger zu stellen.

00:20:22: Und erstmal ein Gerücht zu streuen und dann schauen wir mal was kommt.

00:20:25: Warum sind es eigentlich immer Frauen gewesen die verfolgt wurden?

00:20:30: Das ist nicht richtig.

00:20:33: Es waren kaum Unterschiede, was die Fallzahlen.

00:20:37: zwischen protestantischen und katholischen Gebieten angeht, wohl aber was die Hinrichtungsquote und vor allem auch die geschlechtliche Verteilung angeht.

00:20:47: Während in den katholischen Gebieten wir so im Durchschnitt einen Männeranteil von twenty-fünf Prozent unter den Opfern haben, also ein Viertel liegt er in den protestantischen Gebieten im Regelfall weit über achtzig fünfundachtzig Prozent.

00:21:01: Hier gibt es schon also erhebliche Unterschnitte und ich kann ihn möglicherweise an einer Klärungsansatz liefern aber mehr ist das auch nicht.

00:21:10: Martin Luther übersetzt die entsprechende Stelle im zweiten Buch Moses mit Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.

00:21:18: Und dann kommen wir in eine Gesellschaft hinein, die von einem ganz tiefen Patriarchat geprägt

00:21:24: ist.".

00:21:25: Die Frau, auch in der Antike, auch im Mittelalter, die führte zwar innerhalb des Hauses irgendwo die Organisation und hatte die Fäden in der Hand.

00:21:35: Aber der rechtliche Vertreter nach draußen war immer der Mann.

00:21:38: Wir haben also eine Ungleichbehandlung der Geschlechter, die sich Gott sei Dank jetzt den neunzehnten und zwanzigsten und einundzwanzigste Jahrhundert langsam geändert hat.

00:21:47: Und die Frau wurde quer bett durch die Gesellschaftsschichten als das schwächere Glied der Gesellschaft betrachtet, die sich leichter vom Teufel von Bösen verführen lassen.

00:21:59: Und deswegen ist der weibliche Anteil eben mehr als bei

00:22:03: Männern.".

00:22:04: Sie haben gerade erwähnt dass es Hexenverfolgung bis heute gibt?

00:22:08: Das ist möglicherweise vielen Menschen hier in Europa gar nicht so bewusst.

00:22:12: können sie mal Beispiele nennen?

00:22:13: Also wir haben in Ländern um den Equator herum zum Teil massive Verfolgungen.

00:22:18: ich durfte mal auf einer Podiumsdiskussion von Bistum Erfurt mit der Schweizer Ordensschwester Nurena sein, die eben aus solchen Gebieten ihre Erfahrungen berichtet hat und sie haben sich da wirklich in sechzehnte und siebzehnten Jahrhundert zurückversetzt gefühlt.

00:22:34: Nun wird Ende des Monats, weil Purgis Nacht gefeiert vor allen Dingen im Harz ist dann jede Menge los.

00:22:40: Da wird sozusagen volkstümlich begangen meistens auch recht feuchtfröhlich und dass die Hexen irgendwie blocksberggeflogen sind.

00:22:48: wie Blicken Sie auf diese feiern, diese volkstümlichen Feiern angesichts der Schicksale und der Zahlen die sie selber erarbeitet haben in ihrer Studie?

00:22:57: Also ich bin alles andere als ein Spaßbremser.

00:22:59: Aber Anwalt Burges' und den Feierlichkeiten in manchen Regionen unserer Bundesrepublik, da stockt einen schon ob der Unwissenheit wirklich der Atem Denn wenn ich das um irgendwelche Feuerherumtanze irgendwelches Puppen verbrenne und weiß Da stecken Tausende von unschuldigen Frauen, Männern und Kindern dahinter.

00:23:21: Was wir daraus gemacht haben, Bibi Blocksberg und eben diese Pervertierung der Hexenfolklore an Walburges oder Halloween oder an Fassner.

00:23:29: Sie müssen sich das mal so vorstellen.

00:23:31: Wir würden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, oder von mir aus auf den Gebiet des ganzen Bundesrepubliken, werden wir am siebten Oktober also dem Gründungstag der ehemeiligen DDR dann in einem Dorf aufstellen und würden irgendwelche Puppen von den Mauern herunterschießen?

00:23:48: Nichts anderes machen wir mit der Verballhornung der Hexenverfolgung.

00:23:52: Das sind Abertausende von unschuldigem Opfang gewesen!

00:23:56: Und das sollte man bei solchen Wahlbürgsfeiern wirklich auch in den Hinterkopf

00:24:01: haben.

00:24:02: Das sagt Kai Lehmann, er hat das Buch geschrieben Hexen vor Gericht, Krisenangst und Massenmedien vor.

00:24:10: Das Buch ist im Herder Verlag erschienen bzw.

00:24:12: es wird erscheinen und zwar nächste Woche.

00:24:15: Damit geht die Sendung Tag für Tag zu Ende.

00:24:17: Die Redaktion hatte Luisa Meier.

00:24:20: Ich bin Nina Rothschild.

00:24:21: ich bedanke mich für ihr Interesse und sage tschüss bis bald.

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