Die Halliggräfin - Freiheit zwischen Wind und Watt
Shownotes
Stellen Sie sich vor: eine Gräfin - mitten im Wattenmeer
Diana von Reventlow-Criminil verließ den Glanz der Salons und fand auf einer Hallig ihre Freiheit.
Eine wahre Geschichte voller Mut, Humor und Wind - erzählt mit einem Augenzwinkern und Respekt vor einer außergewöhnlichen Frau.
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00:00:02: Stellen Sie sich vor, ein Wind und Trust der Küstenstreifen hohen Norden, das mir raus dem Löwen kreischen und mitten im Nichts.
00:00:13: Auf einer winzigen Hallig wohnt eine Griefin, aber nicht irgendeine, sondern Diana von Revenloh Krimineel, eine Frau, die ihr Leben in die Hand nahmen, lange bevor Frauen überhaupt Taschen dafür hatten.
00:00:31: Schön, klug, unabhängig und mit mehr Haltung als die meisten Männer ihrer Zeit.
00:00:38: Ich bin Harjo und Sie hören die Geschichte der Halliggräfen.
00:00:42: Eine Frau zwischen Meer und Himmel, zwischen Adel und Freiheit.
00:00:48: Also eine außergewöhnliche Frau.
00:00:51: Geboren, eighteenhundertsechzig im Prez, in einer alten holsteinischen Adelsfamilie.
00:00:59: Ihr Vater Gutsbesitzer, ihre Mutter, Schottin.
00:01:04: Vielleicht erklärt das, warum sie nicht nur Norddeutsch stuhr, sondern auch Schotte sparsam mit gesellschaftlichen Konventionen umging.
00:01:13: Sie reiste in jungen Jahren viel, wird als schön extravagant und unnahbar geschildert.
00:01:20: Sie war eine eigenwillige, unabhängige Frau.
00:01:24: Trotz standesgemäßer Heiratsantree blüht sie ledig.
00:01:28: Sie wollte reisen, lesen, Denken, kurz leben.
00:01:33: Ein Skandal, und ehrlich gesagt auch ein bisschen beneidenswert.
00:01:38: Sie liebte die Natur, Utlande und die Abgeschiedenheit der Hallegen.
00:01:43: In ihr Tagebuch soll sie, als sie noch im München lebte, geschrieben haben.
00:01:48: Diese Nacht habe ich so intensiv von Husung geträumt, dass ich an liebsten Gleichgefahren wäre.
00:01:55: Und Überraschung, sie tat es einfach.
00:01:58: Die Gräfin wurde des höfischen Lebens überdrüssig und tauschte es, Jahrzehntezehn, gegen die Einsamkeit auf der Hallig-Südfall ein.
00:02:09: Sie erwarb das kleine Einland und verbrachte hier in einem gar nicht Hallig-typischen Haus fort an die Sommermonate.
00:02:18: Später zog sie ganz dorthin.
00:02:21: Auf der Püttenwarft in der Nordstandertändermarsch, fast im Blickweite zur Hallig, besaß sie zusätzlich einen Hof.
00:02:30: Im Haus, auf der einzigen Warf der Hallig Südfall, lebte sie von ihrem Vermögen.
00:02:37: Mit Köchen, Hausmädchen, Kutscher und Covernante, mit zwei Hunden sowie Pferden und Hühnern.
00:02:45: Es wurde berichtet, die Kontest ließ sich in allen bedienen.
00:02:50: Sie ließ sich kämmen, waschen und anziehen, Aber täglich um drei Uhr griff sie in den heulichen Alltag ihrer Lienerschaft ein.
00:03:01: Sie fütterte selbst ihr geliebtes Hühnerfolg.
00:03:04: Sie badelte jeden Morgen in einer Wanne mit frischen Nordseewasser, das ihr Kutscher in Eimern holte.
00:03:12: Man bedenke die Nordsee war nicht um die Ecke.
00:03:15: Bis zu ihrem Tode hielt sie daran fest, genauso wie an ihren täglichen Spaziergängen über die Hallig und das Watt.
00:03:23: Diana hatte auch Witz und zwar trockener als ein nordfrisischer Deich.
00:03:30: Ein Schiffer von Pellworm namens Julius Hahn taufte sein Boot auf den Namen Diana und hoffte sich nun ein paar geschenkte Gräfin, die sei in Norddeutschland so üblich.
00:03:43: Sie sagte ihm auch zu, sich etwas Passendes ausdenken zu wollen.
00:03:48: Bei seinem nächsten Besuch auf Südfall erinnerte Hansee an ihr Versprechen.
00:03:54: Die Gräfin zeigte ihnen nun einen prächtigen Hahn, den sie von Nordstrand bekommen hatte.
00:04:00: Da sie so viel von ihm halte, habe sie ihn Julius genannt.
00:04:06: Sie sind jetzt mein lieber Hahn-Parte zu meinem Hahn von Nordstrand.
00:04:12: Und somit sind wir quitt.
00:04:15: Das ist doch feiner Humor und zwar glatte Oberklasse in Sachen von Schlagfertigkeit.
00:04:22: Er hatte aber auch Mut in schwierigen Zeiten.
00:04:25: Ninzehundertsechsunddreißig bei einer schweren Sturmflut stand die damals dreiundsiebzigjährige Gräfin bis zum Bauch im Wasser bei ihren Pferden im Stall.
00:04:37: Keine Kapitulation, kein Jammern.
00:04:40: Und während draußen der Nationalismus wütete, blieb sie unerschütterlich.
00:04:46: Aus Husum ist eine Episode überliefert worden, dass sie beim Betreten eines Geschäftes mit Guten Morgen grüßte, ihr ein lautes Heil Hitler entgegenscholl.
00:04:59: Sie soll gefragt haben, was hat der damit zu tun?
00:05:03: Ihr Südfall war auch ein Zufluchssort.
00:05:07: Den Maler Gustav Menneke lud sie bereits neunzehntzeihunddreißig zu sich ein.
00:05:14: Er fühlte sich auf Südfall und Nordstrand frei und sicher vor der sich abzeichnenden Kunstdiktatur der Nationalsozialisten.
00:05:25: Einen im Watt bei Südfall abgestürzen britischen Flieger bot sie im Zweiten Weltkrieg einige Wochen Asyl.
00:05:34: Eine Frau, die half, wo sie konnte, ohne große Aufheben, einfach aus Menschlichkeit.
00:05:41: Ihre neunzigste Geburtstag beginnt dann mit großer Gesellschaft auf Südfall.
00:05:48: Aus nah und fern kam die Gäste.
00:05:52: Unglaublich schrieb ihr neffe Victor, wie sie von allen Leuten gefeiert wurde, wenn man bedenkt, dass sie nie einen Menschen geliebt hat.
00:06:01: Es ist doch seltsam, wie sie geliebt wurde.
00:06:06: Wenige Wochen später starb sie im August.
00:06:12: auf ihrer Hallig.
00:06:13: Der Leichnam wurde auf einen mit vier Pferden gezogenen Wagen durchs Watt gefahren.
00:06:19: Das Erbe der Gräfin verkaufte die Hallig-Nazionaut-Firn-Fünfzig für zwanzigtausend Mark an das Land für Colstein.
00:06:29: Die Hallig ist jetzt ein Teil des Nationalbarks Wattmeer.
00:06:34: Diana von Rivenlo Kriminell, die Hallig-Gräfin, war eine Frau die den Prunk hinter sich ließ, um das Wesentliche zu finden.
00:06:45: Freiheit, Würde, Mut, Eigenständigkeit und einen gesunden Sinn für Humor.
00:06:52: Vielleicht sollten wir uns einmal ab und zu fragen, wo liegt dieser Hallig?
00:06:57: Unser Ort, an dem wir einfache wir selbst sein können, auch wenn uns der Wind mal kräftig ins Gesinn bließt.
00:07:06: Ich bin Harjo, bedanke mich fürs Zuhören, Falls es Ihnen gefallen hat, erzählen Sie es weiter und halten Sie die Ohren offen für die nächste Geschichte zwischen Wind und Wirklichkeit.
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